US-Befreiungsaktion

Die wohl dümmsten Piraten, die es je gegeben hat

Ein US-Flottenverband befreit iranische Fischer aus der Hand von Seeräubern und landet damit einen prestigeträchtigen Coup. Doch die iranische Führung reagiert humorlos.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, was sich am Wochenende im Golf von Oman abgespielt hat. Während der ewig geifernde iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad auf dem südamerikanischen Kontinent Gleichgesinnte in Venezuela, Nicaragua, Kuba und Ecuador besucht, ereignete sich im Arabischen Meer eine Völkerverständigung ganz besonderer Art.

Ausgerechnet die US-Marine befreite 13 iranische Fischer aus den Händen von somalischen Piraten. Und es war der gleiche US-Flottenverband, dem der iranische Verteidigungsminister, General Ahmad Wahidi, mit militärischer Gewalt für den Fall gedroht hat, dass er sich noch einmal in diesen Gewässern blicken lasse.

Es ist der Verband um den Flugzeugträger „USS John C. Stennis“, der das vor sechs Wochen gekaperte Fischerboot „al-Mulahi“ ein paar Hundert Seemeilen östlich der strategisch wichtigen Meerenge Straße von Hormus aufbringt und die ausgehungerten und verzweifelten Fischer befreit.

Bilder von Umarmungen zwischen US-Marinesoldaten und glücklichen iranischen Seeleuten gehen um die Welt. Die Iraner werden versorgt, erhalten Lebensmittel und Treibstoff für ihr Schiff sowie je ein typisch amerikanisches Accessoire: Baseball-Kappen. „Es ist, als ob euch Gott geschickt hat“, zitiert die „New York Times“ Fazel al-Rahman, einen 28-jährigen Fischer. „Jede Nacht haben wir gebetet, dass Gott uns rettet. Und dann kamt ihr.“

Piraten suchten seit Wochen nach Beute

Die Geschichte der wunderbaren und für die Amerikaner prestigeträchtigen Rettungsaktion beginnt am vergangenen Donnerstag, als die Piraten das unter Bahama-Flagge von Calais ins iranische Bandar Abbas fahrende knapp 200 Meter lange Frachtschiff „Sunshine“ angreifen.

Seit Wochen waren sie mit dem gekaperten Fischerboot, einem in der Region typischen, etwa 30 Meter langen Holzkutter (Dau), in den Gewässern unterwegs und hatten nach Beute gesucht, berichten sie später. Was sie nicht wissen: Der mächtige US-Flottenverband ist nur acht Seemeilen entfernt. „Das waren die wohl dümmsten Piraten, die es je gegeben hat“, wird der kommandierende Admiral Craig Faller später resümieren.

Die Piraten greifen das Schiff mit einem leichten Boot an, bewaffnet mit einem Raketenwerfer und mehreren Kalaschnikows. Die „Sunshine“ setzt einen Notruf ab und kann die Enterversuche der Piraten mit Feuerlöschern abwehren. Der US-Verband fängt das Notrufsignal auf und schickt den Lenkwaffenkreuzer „USS Mobile Bay“ sowie einen Hubschrauber zu Hilfe.

Die Piraten werfen ihre Waffen über Bord und ergeben sich sofort. 30 Kilometer entfernt entdeckt ein zweiter Navy-Hubschrauber die „al-Mulahi“, die den Piraten als Mutterschiff dient, nach wie vor unter iranischer Flagge läuft und deren Besatzung gezwungen worden war, es zu manövrieren. Die Hubschrauberbesatzung ruft die „USS Kidd“, einen Zerstörer innerhalb des Verbandes und zugleich Kommandoschiff der amerikanischen Antipiraten-Eingreiftruppe 151. Die US-Soldaten nehmen insgesamt 15 Piraten fest und befreien die 13 iranischen Fischer.

Geiseln lebten unter härtesten Bedingungen

Die iranischen Geiseln hätten unter harten Bedingungen gelebt, mit begrenzten Essensrationen und unter der Androhung von Gewalt, sagte Josh Schminky von der Besatzung der „USS Kidd“. „Nachdem wir an Bord kamen, gaben wir ihnen Essen, Wasser und medizinische Versorgung. Wir haben unser Möglichstes getan, die Fischer freundlich und respektvoll zu behandeln.“

Ein Schiff unter iranischer Flagge nur 210 Seemeilen von der iranischen Küste entfernt zu entern ist in der momentan politisch aufgeheizten Lage ein heikles Unterfangen. Doch der US-Verband hatte zuvor einen Hilferuf des iranischen Kapitäns des Fischerbootes, Mohammed Younis, aufgefangen und war damit nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet einzuschreiten.

Da kamen selbst aus der Teheraner Führung anerkennende Worte. „Das war eine humanitäre Tat der US-Marine, und wir begrüßen sie“, sagte Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast dem Nachrichtensender al-Alam. „Es sollte die Aufgabe aller Länder sein, gegen Piraterie auf See zu kämpfen.“

Der Außenminister selbst, Ali Akbar Salehi, mochte so viel Euphorie nicht versprühen und sagte dem staatlichen Fernsehsender Press TV, die Rettungsaktion sei Routine und werde die Spannungen zwischen den beiden Nationen nicht mindern.

Iran reagiert schmallippig

Auch der Iran habe schon häufig geholfen, fremde Seeleute aus der Hand von Piraten zu befreien – und sei international dafür niemals gelobt worden. Die Nachrichtenagentur Fars warf den Rettern sogar vor, die Befreiung „wie einen Hollywoodfilm inszeniert“ zu haben.

Ali Aschraf Nuri schließlich, hochrangiger Kommandeur der Revolutionsgarden, gab in der iranischen Zeitung „Chorasan“ gänzlich humorlos zu Protokoll, dass die iranische Führung sich für die Blockade der Straße von Hormus entschiede, sollten iranische Ölexporte blockiert werden. Nach einem zehntägigen Manöver der iranischen Marine in der Meerenge beginnen dort nun auch Übungen der iranischen Elitetruppen der Revolutionsgarden.

Und während die Briten ihr neuestes Kriegsschiff „HMS Daring“ in die Golfregion schicken, ankert im syrischen Mittelmeerhaften Tartus der russische Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ in Begleitung mehrerer schwerer Kriegsschiffe.

Entspannung sieht anders aus. Etwa so wie die Bilder von den glücklichen iranischen Seeleuten in den Armen schwer bewaffneter Marines. Eine sehr menschliche Episode auf hoher See mit hoher Symbolkraft. Geeignet zur Nachahmung.