Nordkorea

Kim Jong-un bekennt sich zur Tradition seiner Ahnen

Mit seiner ersten Truppeninspektion bestätigt Kim Jong-un die neue Führungsstruktur in Nordkorea. Zugleich bekennt er sich zur militärisch geprägten Politik des Landes.

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Kim Jong-un, neuernannter 28-jähriger Oberbefehlshaber der 1,1 Millionen Mann starken nordkoreanischen Streitkräfte, hat seine erste Truppeninspektion zu einem symbolischen Coup werden lassen. Er besuchte am Neujahrstag die Panzerdivision „Seoul Ryu Kyong Su 105“, die ihren Namen dem 60 Jahre zurückliegenden Koreakrieg verdankt.

Sie war die erste Truppeneinheit, die bis in die südkoreanische Hauptstadt Seoul vorstieß, berichtete Chinas Nachrichtendienst „Xinhua“ unter Berufung auf Nordkoreas Staatsagentur KCNA aus Pjöngjang. Der neue Diktator tritt damit in die Fußstapfen von Vater Kim Jong-il und Großvater Kim Il-sung.

Die Elitesoldaten der Panzereinheit gehörten zu den von ihnen zu Lebzeiten am häufigsten besuchten Truppenteilen. Mit seinem Besuch bestätigte Kim zugleich die neue Führungsstruktur Nordkoreas nach dem Tod seines Vaters.

Er wurde von seinen beiden mächtigsten Unterstützern, seinem Onkel und Vizechef des Nationalen Verteidigungsrates Jang Song-thaek und Generalstabschef Ri Yong-ho begleitet.

Laut Xinhua hätte er bei der Inspektion der Truppen gesagt, er erwarte und hoffe, dass sie sich zur stärksten Einheit in der Armee entwickeln und “jederzeit kampfbereit sind“.

Südkoreas Medien werteten die Wahl Kims und seines Gefolges, als erstes die 105. Panzereinheit „Seoul“ zu besuchen, “als weiteres Zeichen, dass die neue nordkoreanische Führung an ihrer feindseligen Haltung gegenüber dem Süden festhalten will und diesen Kurs nutzt, um das Regime hinter sich zu vereinen.“

Zugleich bekenne sich Nachfolger Kim dazu, der von seinem Vater konzipierten militarisierten Politik Nordkoreas nach der „Songun-Doktrin“ (Militär kommt zuerst) folgen zu wollen.

Diese Doktrin wurde nach offizieller nordkoreanischer Lesart von Kim Jong-il nach dessen erstem Besuch bei der Panzerdivision im August 1960 ins Leben gerufen. Am Sonntag hatte der traditionelle Neujahrskommentar Partei, Armee und Volk aufgefordert, zum Bollwerk und Schutzschild von Kim Jong-un zu werden.

Südkoreas Präsident Lee Myung Bak sieht nach dem Machtwechsel eine Chance für eine Verbesserung der angespannten Beziehungen zwischen beiden Staaten. „Unsere größten Ziele sind der Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel“, sagte Lee in seiner Neujahrs-Ansprache im Fernsehen.

Neue Ära?

Die koreanische Halbinsel befinde sich an einem „Wendepunkt“. Neben neuen günstigen Gelegenheiten gebe es aber auch Ungewissheit. Südkorea werde auf Provokationen aus dem Norden scharf reagieren, sagte der Präsident.

Zeige Nordkorea aber „Aufrichtigkeit“, könne eine neue Ära beginnen, erklärte Lee. Wenn die neue Führung in Pjöngjang etwa die nuklearen Aktivitäten einfriere, könnten die seit Dezember 2008 unterbrochenen Sechs-Nationen-Gespräche zum umstrittenen nordkoreanischen Atomprogramm wieder aufgenommen werden.

Nach der Machtübernahme durch Kim Jong-un kam Hoffnung auf einen Wandel in der Haltung Nordkoreas auf. Ende vergangener Woche schloss die Nationale Verteidigungskommission Nordkoreas einen Kurswechsel jedoch aus. Insbesondere die „Marionettenregierung“ in Seoul dürfe von der neuen Führung in Pjöngjang „nicht die geringste Änderung“ erwarten. Die Kommission, die von Kim Jong-il bis zu seinem Tod geführt wurde, gilt als mächtigstes Gremium des Staates.