Atomstreit

Iran will wieder verhandeln - und Raketen testen

Entgegen anders lautender Berichte hat das iranische Militär angegeben, noch nicht mit seinen Raketentests begonnen zu haben. Gleichzeitig signalisierte das Land, wieder über sein umstrittenes Atomprogramm verhandeln zu wollen.

Verwirrung um die geplanten Raketentests des Iran: Nachdem die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars erst gemeldet hatte, das Land habe bereits am Sonnabend mit den Tests begonnen, sagte der stellvertretende Marine-Befehlshaber Admiral Mahmud Musawi dem englischsprachigen Sender „Press TV“ jetzt: „Der Test von Raketen wird in den nächsten Tagen erfolgen.“

Es sei der Abschuss von verschiedenen Raketentypen geplant. Noch am Sonnabend sollten Zielattrappen im Meer postiert werden, um die jeweiligen Tests vorzubereiten. Am Freitag hatte Musawi gegenüber Fars erklärt: „Der letzte Teil der Übung soll die Marine darauf vorbereiten, dem Feind in einer Kriegssituation entgegenzutreten."

Inmitten der Spannungen am Persischen Golf erklärte sich der Iran dann überraschend zu einer Wiederaufnahme der im Januar ergebnislos vertagten Gespräche über sein Atomprogramm bereit. Sein Land sei gewillt, die Verhandlungen mit den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat sowie Deutschland fortzusetzen, sagte Außenminister Ali-Akbar Salehi während des Besuches eines chinesischen Regierungsbeamten am Sonnabend in Teheran. Der iranische Chefunterhändler Said Dschalili werde die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton darüber informieren, meldeten Staatsmedien.

Die Islamische Republik hatte mit der Schließung der weltweit wichtigsten Ölhandelsroute gedroht, falls der Westen im Streit um das Atomprogramm des Iran wie angekündigt die iranischen Ölexporte mit Sanktionen belegt. Durch die Straße von Hormus flossen 2009 etwa ein Drittel des weltweit über das Meer transportierten Öls.

Die USA warnten den Iran mit deutlichen Worten vor einer Blockade der Straße von Hormus und schließen in dem sich zuspitzenden Konflikt auch militärische Mittel grundsätzlich nicht aus. Am Donnerstag hatten die USA bekanntgegeben, zur Wahrung der Sicherheit am Golf ihrem langjährigen Verbündeten Saudi-Arabien Kampfflugzeuge und andere Waffen im Wert von knapp 30 Milliarden Dollar zu verkaufen .

Der Iran sei eindeutig eine der Bedrohungen, der Saudi-Arabien und andere Länder der Region ausgesetzt seien – auch wenn der Verkauf nicht allein gegen den Iran ziele, erklärte die Regierung in Washington.

Der Konflikt zwischen dem Westen und dem Iran hat sich verschärft, nachdem sich nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) der Verdacht erhärtet hat, dass das Land nach Atomwaffen strebt. Die Islamische Republik weist dies zurück. Die Europäische Union (EU) will Ende Januar neue Strafmaßnahmen gegen den Iran verhängen.

Der Ölpreis werde sich im Fall von neuen Sanktionen dramatisch verteuern, sagte Irans Ölminister Rostam Kasemi der Wochenzeitung „Aseman“. „Der Ölpreis wird mindestens auf über 200 Dollar pro Fass steigen.“ Ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent kostet derzeit rund 107 Dollar.