Optimistischer Ausblick 2012

"Merkollande" werden das neue politische Traumpaar

Sarkozy wird abgewählt – doch die deutsch-französische Zusammenarbeit geht weiter. Ein optimistisches Szenario von Sascha Lehnartz.

Foto: AFP/dpa

Der 6. Mai 2012 ist der Tag, auf den in Frankreich alle Linken sehnsüchtig warten. An diesem Sonntag werden die Franzosen ihren neuen Präsidenten wählen. Wenn es nach den Wünschen des sozial bewegten Teils der Bevölkerung geht, wird dieser nicht mehr Nicolas Sarkozy heißen, sondern sollte auf den Vornamen François hören – und ein sozialistisches Parteibuch besitzen. So wie damals, 1988, als es mit François Mitterrand letztmals einem Sozialisten gelang, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen.

Wenn die seit Monaten ziemlich stabilen Umfragewerte nicht trügen, hat François Hollande gute Karten, am Abend jenes Sonntags als neuer Mieter des Elysée-Palastes vor die Kameras zu treten. Er wird dann sichtlich gerührt von sich selbst und beschwingt von der historischen Stunde versuchen, ein wenig mitterrandmäßige Aura in seine Stimme zu legen, und den Franzosen erklären, dass er sich der Verantwortung bewusst sei, die sie ihm übertrügen. „La crise“ und so, die Sache sei schließlich doch ziemlich „grave“.

Die Begegnung könnte unterkühlt ablaufen

Mitterrand ging am Tag nach seiner Wahl 1981 erst einmal zum Pantheon und legte dort eine parteifarbene Rose an den Sarkophagen der Nationalhelden Victor Schoelcher, Jean Jaurès und Jean Moulin ab. Derart pathoslastig dürfte François Hollandes Amtseinführung nicht vonstattengehen. Vermutlich wird ihn seine erste Dienstreise nicht zu den Helden der französischen Vergangenheit führen, sondern an den Dienstsitz der aktuell zuständigen Chefcontrollerin für französische Gegenwartsfragen: Madame la Chancelière Angela Merkel.

Die erste Bewegung zwischen dem neuen deutsch-französischen Pärchen könnte ein wenig unterkühlt ablaufen, zum einen, weil Merkels natürliche Betriebstemperatur aus Sicht eines Bewohners eines Olivenanbaulandes konstant im erntebedrohenden Bereich liegt. Zum anderen, weil Hollande der Kanzlerin dann erst einmal erklären muss, wie er das eigentlich gemeint hat, was er während des Wahlkampfs die ganze Zeit erzählt hat: dass er Europa am liebsten mit Sigmar Gabriel regieren wolle. „Isch bin sischer, vier gewinnän zusammen“, hatte Hollande schließlich auf dem SPD-Parteitag Anfang Dezember 2011 in lustigem Gilbert-Bécaud-Deutsch erklärt.

Die Kanzlerin wird den neuen Kollegen dann in freundlich-bestimmtem Ton darauf hinweisen, dass er sich im Terminkalender geirrt hat und er auf Siegmar Gabriel noch mindestens bis Oktober 2013 warten muss. Wahrscheinlich aber eher bis 2029, weil vorher erst Steinbrück, dann Steinmeier, dann Schmidt und dann Nahles schnell noch mal kandidieren wollen. Hollande, dem der Ruf vorauseilt, flexibel zu sein wie ein wabbeliger Karamellpudding – was ihm einst den Spitznamen „Flanby“ einbrachte – wird sich da rasch arrangieren können.

"Die Chefin ist aber eine harte Noisette“

Ein wenig ausführlicher dürfte die Debatte bei drei anderen Punkten werden, die Hollande im Wahlkampf einige Male forsch vortrug: Wenn er Präsident sei, dann gebe es keine Schuldenbremse in der französischen Verfassung, die Europäische Zentralbank werde ordentlich Geld drucken, und die Deutschen werde er flugs zur Herausgabe von Euro-Bonds überreden.

Wenn Hollande dann im Mai das Kanzleramt nach seinem Antrittsbesuch wieder verlässt, wird von diesen Punkten wahrscheinlich keine Rede mehr sein. Im Hinausgehen wird Hollande Ronald Pofalla zuflüstern: „Die Chefin ist aber eine harte Noisette.“ Und Pofalla wird Hollande antworten: „Wem sagen Sie das, Monsieur le Président?“

Kurz nach der Ankunft in Frankreich wird Hollande dann ankündigen, das von seinem Vorgänger Nicolas Sarkozy auf den Weg gebrachte Programm der „convergence“ mit Deutschland „auszubauen und zu beschleunigen“. Die Zeitungen schreiben bald darauf nicht mehr von „Merkozy“, sondern von „Merkollande“. Einige wenige Kritiker hingegen nennen den neuen französischen Präsidenten allerdings einen „Bismarck-Pudding“.