Kim Jong-il

Die geheimen Planungen der gigantischen Trauerfeier

Auf der Beisetzung von Nordkoreas Diktator Kim Jong-il werden monströse Machtfestspiele erwartet. Die Vorbereitungen sind streng geheim – nach bekanntem Vorbild.

Foto: dapd / dapd/DAPD

In einer Atmosphäre weitgehender Abschottung und Geheimhaltung hat die nordkoreanische Führung die Beisetzung des langjährigen Machthabers Kim Jong-il vorbereitet. Ausländische Delegationen wurden zu der Zeremonie nicht eingeladen, bei der in Pjöngjang hunderttausende Koreaner von dem "Geliebten Führer" Abschied nehmen wollen.

Regierungsvertreter aus China und Südkorea berieten im Vorfeld über die regionale Sicherheit.

Als Muster für die Trauerfeierlichkeiten wurden die Zeremonien aus dem Jahr 1994 angesehen, als Kim Jong-ils Vater, Staatsgründer Kim Il-sung, beigesetzt wurde. Demnach sind Salutschüsse und der Marsch von Militäreinheiten durch Pjöngjang, der Auftritt von Militärorchestern und Ehrerweisungen der Staatsführung zu erwarten.

Gigantische Inszenierung mit zwei Millionen Menschen

Die Trauerzeremonie am 19. Juli 1994 für Kim Il-sung war eine gigantische Inszenierung. Zwei Millionen Menschen, so berichteten Staatsmedien, säumten die Straßen Pjöngjangs, als der mit einer roten Flagge bedeckte gläserne Sarg des verstorbenen Führers in einer Limousine den Kumsusan-Palast verließ, die Ehrengarde feuerte Schüsse in die Luft, auf dem Lastwagen an der Spitze des Trauerzugs spielte eine Militärkapelle.

Mehr als drei Stunden lang fuhr die Wagenkolonne durch die Hauptstadt, dann wurde der Leichnam zur letzten Ruhe zurück in den Palast gebracht.

Über den Ablauf der Abschiedsfeier wachte damals, in einem schlichten blauen Anzug im Stile Maos, der Sohn des Verstorbenen und neue starke Mann im Land, Kim Jong-il.

Wiederauflage der pompösen Zeremonie

Beobachter erwarten bei seiner eigenen Beisetzung nun eine Wiederauflage dieser pompösen Zeremonie des Jahres 1994 – und hoffen dabei auf Einblicke in die neuen Machtverhältnisse an der Spitze der international isolierten Atommacht.

"Das Regime hat die Beisetzung von 1994 genutzt, die Gefolgschaft und Loyalität in der Bevölkerung für den neuen Führer Kim Jong-il zu stärken", sagt der Nordkorea-Experte Yang Moo-jin von der Universität Seoul. "Seine eigene Beerdigung wird auf die gleiche Weise über die Bühne gehen."

In seiner Macht gefestigt werden soll nun Kim Jong-ils jüngster Sohn, Kim Jong-un, der "Große Nachfolger". Der ist Ende 20, hat eine Vorliebe für Basketball, Skifahren und Filme des Kampfsportlers Jean-Claude Van Damme – und nur wenig politische Erfahrung.

Nordkoreas Nachbarstaaten und der Westen rätseln daher, wie viel Macht Kim Jong-un tatsächlich selbst ausüben wird. "Kim Jong-un kann wahrscheinlich derzeit noch nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten", urteilt der Experte Ken Gause. "Er wird Zeit brauchen, seine Macht zu festigen – wenn es ihm überhaupt gelingt."

Dagegen warnen andere Experten davor, den jungen Mann, der seinem Großvater Kim Il-sung frappierend ähnlich sieht, zu unterschätzen. "Er hat einen sehr starken Charakter und ein feuriges Temperament", sagt Cheong Seong-chang von der Denkfabrik Sejong Institute. "Man kann ihn nicht einfach als unerfahren abtun."

Einen ersten Hinweis auf die künftige Machtarchitektur wird die Beisetzung Kim Jong-ils geben. Denn welcher Würdenträger bei der Beisetzung in welcher Rolle erscheint – etwa wo er steht oder welche Uniform er trägt – lässt auch vorsichtige Rückschlüsse auf seinen künftigen Einfluss zu.

Personenkult nimmt deutlich zu

Die staatlichen Medien steigerten unterdessen bereits den Personenkult um den "Großen Nachfolger". So wurde sein Name in der Parteizeitung "Rodong Sinmun" erstmals in fetten Buchstaben gedruckt, wie es bislang nur für den Gründer der einzigen kommunistischen Dynastie, Kim Il-sung, und für Kim Jong-il üblich war, der am 17. Dezember im Alter von 69 Jahren gestorben war.

Kim Jong-un wird inzwischen auch Oberster Befehlshaber der Streitkräfte und Chef des Zentralkomitees der Kommunistischen Parte i genannt.

Kim Jong-ils Leichnam ist weiter im Kumsusa-Palast aufgebahrt. Die offiziellen Trauerfeiern sollen am Donnerstag zu Ende gehen. Mittags ist die Bevölkerung dann aufgerufen, drei Minuten zu schweigen. In welcher Form Kim Jong-il beigesetzt wird, ist noch nicht bekannt.

Südkorea – Frieden und Stabilität wahren

Der stellvertretende südkoreanische Außenminister Park Suk Hwan sagte derweil bei Gesprächen mit einer chinesischen Delegation in Seoul, es sei im Interesse beider Länder, Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel zu wahren.

Der chinesische Vize-Außenminister Zhang Zhijun rief zu einer engeren Kommunikation zwischen Seoul und Peking auf. Die "Dynamiken in der asiatisch-pazifischen Region" würden "kompliziert und ernst", sagte er laut offizieller Übersetzung, ohne Nordkorea direkt zu erwähnen.

China ist der wichtigste Verbündete Nordkoreas. Peking unterstützt die Ernennung Kim Jong-uns zum "Großen Nachfolger" seines verstorbenen Vaters und sicherte der Atommacht Nordkorea nach dem Tod Kim Jong-ils seine Zusammenarbeit zu, um Frieden und Stabilität zu garantieren, wie es hieß.

China leitet die internationalen Verhandlungen über Nordkoreas umstrittenes Atomprogramm, an denen neben den beiden koreanischen Staaten auch die USA, Russland und Japan beteiligt sind. Im Dezember 2008 kamen die Verhandlungen allerdings zum Stillstand.