Nach Kim Jong-ils Tod

Südkoreas Frauen sollen Nordkorea entspannen

Nach dem Tod Kim Jong-ils will Südkorea Missverständnisse beim Nachbarn abbauen – mit Frauendiplomatie. So soll das Eis zwischen den beiden Bruderstaaten auftauen.

Foto: pa/dpa

In der heiklen Phase des Übergang der Macht nach dem Tod von Nordkoreas Diktator Kim Jong-il soll jetzt südkoreanische Frauendiplomatie als Geste des guten Willens mithelfen, Spannungen und Missverständnisse beim Nachbarn abzubauen.

Südkoreas Präsident Lee Myung-bak erlaubte dazu der in Nordkorea hochangesehenen 90-jährigen früheren First Lady des Landes, Lee Hee-ho, auf privaten Kondolenzbesuch nach Nordkorea zu fahren. Ihr gestorbener Präsidentengatte Kim Dae-jung hatte sich einst mit Kim zum Aussöhnungsgipfel 2000 in Pjöngjang getroffen.

Ebenso durfte auch die Chefin der Konzerngruppe Hyundai, Hyun Jeong-eun zu den Trauerfeiern fahren. Hyundai managt spektakuläre Projekte in Nordkorea, wie die Sonderwirtschaftszone Kaesong. Die Signale sollen das Eis im Verhältnis der beiden Bruderstaaten auftauen helfen, die sich seit dem Waffenstillstand 1953 formal noch immer im technischen Kriegszustand befinden.

Unterdessen verstärkte sich die hektische Diplomatie unter den Anrainerstaaten mit dem ersten Besuch des neuen japanischen Premier Yoshihiko Noda in Peking. Er stand unter dem Zeichen der Sorge, wie stabil die Lage in dem Atomstaat unter der neuen Führung des Sohnes Kim Jong-un wirklich ist. Noch während Noda mit Staatschef Hu Jintao und Premier Wen Jiabao zusammentraf, konnte der 28-Jährige Kim in Pjöngjang zumindest formal weitere Macht hinzugewinnen.

Nordkoreas wichtigste Parteizeitung "Rodong Sinmun" stellte ihn als Chef der Koreanischen Arbeiterpartei (WPK) vor. "Die gesamte WPK steht unter alleiniger Führung von Genossen Kim Jong-un. Alle Parteiorgane unterstützen ihn."

Die gleiche Zeitung hatte Kim am Vortag erstmals auch "Oberkommandierenden" der 1,1 Millionen Mann Armee genannt. Seine Beförderung wurde dabei auf den Tag genau bekannt, an dem vor 20 Jahren sein verstorbener Vater am 24. Dezember 1981 Armeechef wurde. Kim ist bisher aber weder von der Parteiführung oder Armeeführung offiziell gewählt oder bestätigt worden. Rodong Sinmun schrieb aber, er hätte die gesamte Führung am Tag nach dem Tod des Vaters übernommen.

Japan, das wie die USA keine diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea unterhält, hat Peking beim Besuch von Noda nun gedrängt, stärker Einfluss zu nehmen, um die Verhältnisse stabil zu halten. Wieviel wirkliche Macht der Sohn in den Händen hält bleibt unklar. Ungewöhnlich war, dass er seit 20. Dezember dreimal die Totenwache am Sarg des Vaters übernahm.

Am 24. Dezember ließ er sich von höchsten Militärs kondolieren. Neben dem Loyalitäts-Bekenntnis der Armee zu ihm war es offenbar auch eine Bekundung Kims an die Armee, dass er der militarisierten Politik Nordkoreas, bei der das Militär vor der Partei das Sagen hat, verpflichtet bleiben will.

Zwei vom Vater ihm noch zu Lebzeiten zur Seite gestellten und dazu in hohe Militärämter beförderte Verwandten, darunter sein Onkel Jang Song-thaek und eine mächtige Tante Kim Kyong-hui standen Kim Junior bei der Trauerzeremonie in Armeeuniformen zur Seite. Peking und Tokio wollen beide eine rasche Rückkehr und Einbindung Nordkoreas in die Sechs-Parteigesprächen. Nordkorea hat seit 2006 zwei Atomwaffen unterirdisch getestet und unterhält neben Reaktoren zur Plutoniumgewinnung aus Brennstäben auch eigene Anlagen zur Urananreicherung.

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