Bundeswehr

So feiern Soldaten auf Zypern Weihnachten

Gemeinsamer Gottesdienst und Kirchen-Cocktail: Zu Weihnachten rücken die Soldaten enger zusammen. So auch die 240 Soldaten auf Zypern.

Foto: Simone Meyer / Simone Meyer/WON

Vor zwei Tagen hat Kapitänleutnant Bastian Fischborn (34) seine Frau zum ersten Mal mit Babybauch gesehen. Sie ist im vierten Monat schwanger – er im vierten Monat im Einsatz vor der Küste des Libanon. Am ersten Weihnachtstag wird der 34-jährige Kieler mit seinem Minenjagdboot „Passau“ wieder auf Patrouille fahren, deswegen hat er mit seiner Frau die Feiertage mal eine Woche vorgezogen.

Sein Arbeitgeber zahlte den Flug, als Anerkennung dafür, dass der Marineoffizier sechs Monate nicht zu Hause sein kann. Familienzusammenführung nennt die Bundeswehr das. Was für Angehörige von Soldaten in Afghanistan zu gefährlich wäre, ist in der Hafenstadt Limassol gang und gäbe. Viele der rund 240 auf Zypern stationierten Unifil-Soldaten dürfen in diesen Tagen Besuch empfangen.

Korvettenkapitän Torsten Külpmann (37) zählt schon die Tage: Als Kommandeur des Tenders „Werra“ darf er sein Schiff ebenfalls ein halbes Jahr nicht allein lassen. Der 36-Jährige hat für sich und seine Familie ein Haus in der Nähe von Limassol gemietet. Frau, Sohn (8) und Tochter (4) reisen aber erst nach den Feiertagen an. Weihnachten feiert Külpmann also auch mit seiner zweiten Familie, mit den rund 80 Mann seiner Besatzung, bei gemütlichen 20 Grad Lufttemperatur.

Waffenschmuggel aus eigener Kraft verhindern

Außer der „Werra“ liegen in diesen Tagen auch die „Passau“ und das Hohlstablenkboot „Ensdorf“ vor Anker. Mit diesen drei Schiffen und insgesamt etwa 240 Soldaten beteiligt sich Deutschland zurzeit an der UN-Mission Unifil (United Nations Interim Force Lebanon), zusammen mit weiteren sechs Schiffen aus Bangladesch, Brasilien, Indonesien, der Türkei und Griechenland kontrollieren sie die rund 220 Kilometer lange Küste des Libanon. Ein Einsatz, der hinter der Isaf-Mission in Afghanistan fast in Vergessenheit gerät, aber durchaus zur Stabilität der Region beiträgt. „Die Präsenz des internationalen Flottenverbands hält Israel davon ab, eigene Kräfte vor der Küste des Libanon zu stationieren“, sagt der Unifil-Kontingentführer, Fregattenkapitän Felix Hornung (40).

Zum Mandat, das bis zu 15.000 UN-Soldaten umfasst, gehört auch die Ausbildung der libanesischen Marine, damit diese langfristig aus eigener Kraft den Waffenschmuggel über die Seegrenzen verhindern kann. Die rund 1500 Mann starke Teilstreitkraft, die in der gesamten Truppe des Landes eher die dritte Geige spielt, soll schon im kommenden Jahr eigene Ausbildungskonzepte aufstellen, um langfristig selbst Verantwortung zu übernehmen.

Unifil-Mandat um ein weiteres Jahr verlängert

Im Moment hake es noch an den technischen Fähigkeiten, die eigenen Anlagen zu warten, sagt Hornung. „Da sich die libanesische Marine im Wesentlichen aus Spenden finanziert, ist die Instandhaltung der Anlagen ein logistischer Alptraum.“ Außerdem seien manche Strukturen noch nicht optimal ausgebaut. Das Radarsystem allerdings, das an der Küste in den vergangenen Jahren wieder aufgebaut worden sei, hätten die Libanesen bereits gut im Griff.

Als Teil des zivilen Aufbauprogramms der Bundesregierung hat die Bundesregierung insgesamt neun Radarstationen mit über eine Million Euro unterstützt; einige waren 2006 durch israelische Angriffe zerstört worden. Seit fünf Jahren mittlerweile patrouillieren nun auch deutsche Schiffe vor der Küste des Libanon. Der Bundestag hat das Unifil-Mandat im Juni gerade um ein weiteres Jahr verlängert, mit der Obergrenze von 300 Soldaten und dem Schwerpunkt auf Ausbildungsunterstützung.

Nach jeder Ausfahrt sei deswegen ein "Neustart" nötig

Auch wenn der Koalitionspartner FDP diese Mission gern so bald wie möglich beenden würde, sieht die Bundesregierung im Moment keinen Grund, das Unifil-Mandat infrage zu stellen. „Sowohl Libanon als auch Israel haben Deutschland wiederholt versichert, dass das Engagement der Bundeswehr für die Stabilität in der Region eine wichtige Rolle spielt“, sagt Thomas Kossendey (CDU), der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, nach einem Weihnachtsbesuch bei den Soldaten in Limassol.

„Wir leisten mit unseren drei Einheiten einen signifikanten Beitrag zur Seeraumüberwachung“, bestätigt Kontingentführer Hornung. Hinzu komme, dass sich die libanesische Marine gerade die Patrouillen an der Südgrenze lieber noch Deutschland oder Brasilien überlasse. Auch bei der Ausbildung zählten die Deutschen zu den treibenden Kräften. Fortschritte könne er allerdings nicht an Jahreszahlen festmachen, sagt Hornung – auch wenn dieser Einsatz deutlich an Personal und Material der Marine zehrt. Gut 60 Prozent des Kontingents ist zum wiederholten Mal hier.

Die „Passau“ patrouilliert nach der sieben- bis achtstündigen Überfahrt von Limassol vor die Küste des Libanons meistens sieben bis acht Tage im Einsatzgebiet. In dieser Zeit teilt sich die Besatzung in zwei Hälften, die jeweils zwölf Stunden Dienst hat. „Die anderen zwölf Stunden haben die Soldaten, um zu schlafen, rein Schiff zu machen, einzukaufen, mal ein Buch zu lesen, eine E-Mail nach Hause zu schreiben, sagt Kommandeur Fischborn. Nach jeder Ausfahrt sei deswegen ein „Neustart“ nötig, dann gehen die Soldaten in Limassol ins Hotel oder in Beirut vor Anker. In der einen Stadt genießen sie ein paar Tage europäischen Standard, in der anderen ein riesiges kulturelles Angebot, schlafen aber weiter mit 45 Mann auf einem 54 mal zehn Meter großen Boot.

Gemeinsamer Gottesdienst und Kirchen-Cocktail

Zu Weihnachten rücken auch die Soldaten im Mittleren Osten dichter zusammen, dann werden alle drei Schiffe des deutschen Kontingents in Limassol im Hafen liegen. „Nach dem gemeinsamen Gottesdienst und dem Kirchen-Cocktail werden sich die meisten schnell auf ihre Schiffe zurückziehen“, erwartet Kapitänleutnant Fischborn. Nach der nächsten Patrouillenfahrt soll seine „Passau“ zum Jahreswechsel schon wieder im Hafen von Limassol liegen.„Dann wird ganz normal gefeiert, mit ,Dinner for one’ und Knallerei“, plant der Kommandant.

Nach Neujahr bleiben dem 34-Jährigen noch gute drei Monate im Einsatz. Am 11.März legt die „Passau“ in Limassol ab, zwei Wochen später soll sie in Kiel festmachen. „Genau pünktlich.“ Planmäßig acht Wochen vor der Geburt seines Sohnes.