Tschechien

Staatsgäste nehmen Abschied von Vaclav Havel

In Prag nehmen Staatsgäste aus aller Welt und Tschechiens Bürger Abschied von Vaclav Havel. Deutschland wurde von Christian Wulff vertreten. Freunde des Ex-Präsidenten würdigen ihn als mutigen Menschen, dem im Kampf gegen Krankheiten am Ende die Kraft fehlte.

Foto: AFP

Zahlreiche Staatsgäste aus aller Welt haben dem verstorbenen früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel am Freitag in Prag die letzte Ehre erwiesen.

Deutschland wurde bei der Trauerfeier, die um 12 Uhr im Veitsdom auf der Prager Burg begann, von Bundespräsident Christian Wulff vertreten. An den Feierlichkeiten nahmen unter anderen auch EU-Kommissionschef José Manuel Barroso, EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, der britische Premierminister David Cameron, der slowakische Präsident Ivan Gasparovic und US-Außenministerin Hillary Clinton teil.

Zu Beginn der Feierlichkeiten gedachte Tschechien des früheren Präsidenten mit einer landesweiten Schweigeminute. Außerdem wurden in Prag 21 Salutschüsse abgefeuert. Den Gottesdienst im Veitsdom leiteten der Prager Erzbischof Dominik Duka und Weihbischof Vaclav Maly.

Beide hatten zu kommunistischer Zeit in der damaligen Tschechoslowakei aus politischen Gründen in Haft gesessen. Havels Leichnam soll am Nachmittag eingeäschert und nach Weihnachten in der Prager Familiengruft beigesetzt werden.

Havel war am Sonntag im Alter von 75 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Er war einer der Anführer der Samtenen Revolution des Jahres 1989, in deren Verlauf die kommunistische Führung der damaligen Tschechoslowakei gestürzt wurde. Havel wurde im selben Jahr zum Präsidenten gewählt. Nach der Teilung des Landes wurde er im Jahr 1993 Staatschef Tschechiens und übte das Amt etwa zehn Jahre lang.

Eine der Trauerreden will die in Prag geborene frühere US-Außenministerin Madeleine Albright halten. Neben dem Sarg, der in eine weiß-rot-blaue tschechische Staatsflagge gehüllt war, erinnert ein Porträtfoto mit schwarzer Trauerschleife an Havel.

Vor dem Dom nahm eine große Menschenmenge Abschied vom Ex-Präsidenten. „Es war hinreißend, wie Havel unser Land in die Welt geführt hat“, sagte die Pragerin Zlata Zitkova. Sie beschrieb Havel als außergewöhnlich charismatische Persönlichkeit, die fehlen wird. „Havel war ein mutiger Idealist, der zu Risiken und Opfern bereit war“, sagte der christdemokratische Ex-Außenminister Cyril Svoboda „Er verlor nie seine Zweifel, auch an sich selbst nicht, und blieb stets seinen Idealen treu.“

Im Veitsdom hatten sich morgens bereits etwa 100 engste Angehörigen und Freunde von Havel versammelt. Auch die Ordensschwestern, die sich um den seit langem geschwächten Ex-Präsidenten gesorgt hatten, erwiesen ihm die letzte Ehre. Die sonst dunkle gotische Kathedrale war hell erleuchtet. Neben dem Sarg brannten Kerzen des Adventskranzes.

Der Ex-Präsident habe am Ende die Energie verloren, sagte Havels langjähriger Pressechef Ladislav Spacek dem tschechischen Fernsehsender CT24. „Er hat gespürt, dass seine Kräfte erschöpft sind, und hat aufgehört zu kämpfen.“ Nach einer Lungenkrebsoperation 1996 machten Havel immer wieder lebensgefährliche Atemwegserkrankungen schwer zu schaffen.

Der Dramatiker wurde 1989 zu einer Schlüsselfigur der demokratischen Wende in der damaligen Tschechoslowakei. Er erhielt viele internationale Auszeichnungen, darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1989). Havel wird zu einem späteren Zeitpunkt im Kreis von Familie und Freunden beigesetzt.