Prag

Tausende Tschechen begleiten Trauerzug für Havel

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Foto: AFP

In Prag haben zehntausend Trauernde den früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel auf seiner letzten Reise durch die Straßen der Hauptstadt begleitet. Im Hradschin wird sein Leichnam bis zur Beerdigung am Freitag aufgebahrt.

Tausende Tschechen haben in Prag Abschied von ihrem verstorbenen Ex-Präsidenten Vaclav Havel genommen. Begleitet von einem Trauerzug wurde der mit Blumen und der tschechischen Flagge geschmückte Sarg am Mittwoch von der Kirche St. Anna in der Altstadt zur Prager Burg gebracht. Dort findet am Freitag die Trauerfeier statt, zu der auch Bundespräsident Christian Wulff und US-Außenministerin Hillary Clinton erwartet werden.

Havels Witwe Dagmar Havlova, viele weitere Familienmitglieder, Freunde und rund 10.000 Bürger nahmen an dem Trauermarsch teil. Havlova hatte die Tschechen persönlich aufgerufen, sich dem stillen Trauerzug anzuschließen.

In der Kirche St. Anna, die von Havels Stiftung zu einem Begegnungszentrum umgebaut wurde, war der Ex-Präsident seit Montag aufgebahrt. Mit dem Trauerzug wurde der Sarg über die berühmte Karlsbrücke auf den Hradschin, die Prager Burg, gebracht. Auf der historischen Geschützlafette, die von sechs Pferden gezogen wurde, war 1937 schon der Sarg des ersten tschechoslowakischen Präsidenten Tomas Garrigue Masaryk transportiert worden. Viele Menschen warfen Blumen auf den Sarg und brachen immer wieder in spontanen Applaus aus.

Bei einer kurzen Zeremonie im Wladislaw-Saal der Prager Burg, wo Havel 1989 als Präsident vereidigt worden war, würdigte sein Nachfolger Vaclav Klaus den einstigen Oppositionsführer als überzeugten Anhänger von Werten wie Menschlichkeit, Demokratie und Menschenrechten. Der „Kampf für Freiheit und Demokratie“ sei aber noch nicht beendet, sagte der Präsident.

Im Wladislaw-Saal wird Havel bis zur Trauerfeier im Veitsdom aufgebahrt, an der am Freitag auch viele Politiker aus dem Ausland teilnehmen. Neben Bundespräsident Wulff und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy werden unter anderem der israelische Staatschef Schimon Peres, US-Außenministerin Clinton und ihr Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton erwartet.

Havel war am Sonntag im Alter von 75 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Er war einer der Anführer der Samtenen Revolution von 1989, in deren Verlauf die kommunistische Führung der damaligen Tschechoslowakei gestürzt wurde. Havel wurde im selben Jahr zum Präsidenten gewählt. Nach der Teilung des Landes wurde er 1993 Staatschef von Tschechien und blieb bis 2003 im Amt.

DDR-Bürgerrechtler: Vaclav Havel hat uns ermutigt

Mehr als 180 ehemalige Vertreter der Bürgerrechtsbewegung der DDR würdigten Havel als „Wahrheitssucher und Inspirator“. Der frühere Dissident habe sie mit seinem persönlichen Beispiel ermutigt, heißt es in einem Kondolenzschreiben. Havel habe sie gelehrt, die alltäglichen Lügen der kommunistischen Machthaber nicht einfach hinzunehmen, sondern die Wahrheit zu suchen und zu verteidigen.

„Ohne das Engagement und die Standhaftigkeit solcher Menschen in den ostmitteleuropäischen Oppositionsbewegungen wären die revolutionären Ereignisse des Herbstes 1989 in der DDR nicht denkbar gewesen“, heißt es in dem Schreiben. Zu den Unterzeichnern gehören der Theologe Friedrich Schorlemmer, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, und seine Vorgängerin Marianne Birthler.

( AFP/dpa/mim )

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