Im Alter von 69

Nordkoreas Staatschef Kim Jong-il ist tot

Der nordkoreanische Militärmachthaber Kim Jong-il ist tot. Im Alter von 69 Jahren hat er während einer Zugfahrt einen schweren Herzinfarkt erlitten. Während sein plötzlicher Tod Asien in Alarmbereitschaft versetzt hat, steht ein Nachfolger schon fest – sein Sohn Kim Jung-un.

Foto: REUTERS

Der nordkoreanische Militärmachthaber Kim Jong-il ist tot. Kim sei an den Folgen eines schweren Herzinfarkts während einer Zugfahrt am Samstag gestorben. Das berichteten am Montag die saatlichen Medien des kommunistischen Landes. Kim, der nach dem Tod seines Vaters und „ewigen Präsidenten“ Kim Il Sung 1994 die Macht übernommen hatte und das Land mit eiserner Faust regierte, war nach offiziellen Angaben 69 Jahre alt. Er galt nach einem vermuteten Schlaganfall 2008 als gesundheitlich angeschlagen. Die Trauerfeierlichkeiten sind für diesen Mittwoch in Pjöngjang angekündigt. Zum Nachfolger wurde sein Sohn Kim Jong-un bestimmt, berichtete die Agentur KCNA.

Kim hatte zuletzt die Übertragung der Macht auf seinen jüngsten Sohn Kim Jong-un vorangetrieben. Der Sohn, der erst Ende Zwanzig sein soll, war im September 2010 in die erweiterte Führungsriege der Arbeiterpartei aufgenommen worden. Kim Jong-il hatte ihn damit praktisch zum Nachfolger ernannt.

Das Nachbarland Südkorea versetzte unterdessen seine Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft. Die Aktivitäten der nordkoreanischen Volksarmee entlang der innerkoreanischen Grenze seien verstärkt worden, teilte der Generalstab in Seoul mit. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich seit dem Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffes im März 2010 und dem Beschuss einer zu Südkorea gehörenden Insel im November desselben Jahres spürbar verschärft. Beide Staaten befinden sich völkerrechtlich seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) noch im Kriegszustand.

Japan berief in Reaktion auf den Tod des nordkoreanischen Militärmachthabers Kim Jong-il seinen Sicherheitsrat ein. Ministerpräsident Yoshihiko Noda wies das Verteidigungsministerium und andere Regierungsstellen an, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Japan stehe mit seiner Schutzmacht USA sowie China und Südkorea bereits in engem Kontakt, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Montag meldete. An der asiatischen Leitbörse in Tokio gaben die Kurse nach. Japan verfolge auch genau die Reaktion an den Finanzmärkten, hieß es weiter.

US-Präsident Barack Obama wurde am späten Sonntagabend (Ortszeit) vom Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il unterrichtet. „Der Präsident wurde informiert und wir stehen im engen Kontakt mit unseren Verbündeten in Südkorea und Japan“, heißt es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Die USA engagierten sich weiterhin für Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und „für Freiheit und Sicherheit unserer Verbündeten“.

Plateauschuhe und Blouson-Anzüge

Mit seinen toupierten Haaren, den Plateauschuhen und seinen aus der Mode gekommenen Blouson-Anzügen wurde Kim Jong-il gern belächelt. Doch Nordkoreas Staatschef war ein ebenso geschickter wie rücksichtloser politischer Machtmensch, der trotz Hungersnöten in seinem Land im Luxus lebte und ein Atomprogramm entwickeln ließ. Am Samstag starb Kim Jong-il an einem Herzinfarkt. Erst zwei Tage später wurde die Nachricht vom Tod des „Großen Führers“ über die Staatsmedien verbreitet.

Seit mehreren Jahren bereits war es mit Kims Gesundheit bergab gegangen. Im Jahr 2008 erlitt er einen Schlaganfall, in dessen Folge seine linke Körperhälfte beeinträchtigt war. Außerdem hatte er berichten zufolge Nierenprobleme, Diabetes und Bluthochdruck. Genaues wusste kaum jemand: Kims Gesundheitszustand wurde wie ein Staatsgeheimnis behandelt.

Beobachtern fiel jedoch auf, dass Kims Entscheidungen immer irrationaler erschienen, etwa der Angriff auf ein südkoreanisches Marineschiff im März 2010 im Grenzgebiet zu Südkorea, bei dem 46 Soldaten starben. Nordkorea wies jegliche Verantwortung von sich. Laut CIA-Chef Leon Panetta wollte Kim Jong-il mit solchen riskanten Aktionen die Glaubwürdigkeit seines Sohnes Kim Jong-un in militärischen Belangen unter Beweis stellen. Denn Kim baute seinen jungen Sohn, der 1983 oder 1984 geboren wurde, als Nachfolger auf.

Kim selbst hatte einst seinen Vater an der Staatsspitze abgelöst. Als der Gründer Nordkoreas Kim Il Sung 1994 starb und der Sohn drei Jahre später offiziell seine Nachfolge antrat, wurde der Führerkult auf ihn übertragen. Um die „Große Sonne der Nation“ ranken sich seitdem zahlreiche Mythen. So sollen nach offizieller Darstellung nach seiner Geburt am 16. Februar 1942 in einem anti-japanischen Camp auf dem Heiligen Berg Paekdu in Korea ein Stern und ein doppelter Regenbogen am Himmel erschienen sein. Nach Ansicht westlicher Experten wurde er dagegen in einem Ausbildungslager der sowjetischen Armee bei Chabarowsk in Sibirien geboren, von wo aus sein Vater den Kampf gegen die japanischen Besatzer Koreas führte.

Unter Kim sollen Schätzungen zufolge zwischen 1996 und 1999 rund eine Millionen Nordkoreaner verhungert sein. Dennoch fand der Machthaber stets ausreichend Ressourcen, um das Atomprogramm seines Landes voranzutreiben und die Welt 2006 sogar mit Berichten über den ersten Atomwaffentest des Landes zu erschrecken. Notwendige wirtschaftliche Reformen lehnte Kim hingegen stets ab, um die Kontrolle über das Land nicht zu verlieren. Mit Propaganda, Personenkult und gefürchteten Arbeitslagern festigte er seine Macht.

Auch Besucher des weitgehend abgeschotteten Landes und Flüchtlinge zeichneten ein weniger schmeichelhaftes Bild des Staatschefs: Er galt als Playboy mit Vorliebe für Schauspielerinnen und Tänzerinnen, französischen Cognac und westliche Filme – er soll eine Sammlung von 20.000 Hollywood-Filmen besessen haben. Der Öffentlichkeit war Kim weitgehend unbekannt. Am liebsten zeigte er sich bei Militärparaden und Besuchen in Schulen, Fabriken und Militärstützpunkten.

Kims Sohn Jong-un wird Nachfolger

Kim, der seine Mutter im Alter von neun Jahren verlor, wurde in der DDR zunächst als „Wirtschaftsexperte“ ausgebildet, bevor er 1964 ins Zentralkomitee der Kommunistischen Partei in Pjöngjang aufgenommen wurde. Später wurde er Leiter der Propagandaabteilung. 1980 machte ihn sein Vater zur „Nummer Zwei“ in der Partei.

Zu Lebzeiten seines Vaters soll Kim Jong-il für diverse Anschläge verantwortlich gewesen sein. So soll er das Bombenattentat auf Südkoreaner 1983 im birmanischen Rangun geplant haben, bei dem 17 südkoreanische Regierungsmitglieder getötet wurden. Auch für den Anschlag auf ein südkoreanisches Verkehrsflugzeug 1987, bei dem 115 Menschen starben, wurde er verantwortlich gemacht.

In welche Richtung sich Nordkorea nach Kims Tod bewegt, ist offen – zu unbekannt ist der junge Nachfolger Kim Jong-un. Der Verstorbene hinterlässt seinem Sohn vor allem eins: den ungelösten Streit um das Atomprogramm.

Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete am Montag Kim Jong-un als „großartigen Nachfolger“.

Börsen in Asien nach Nachricht von Kim Jongs Tod im Minus

Die Börsen in Asien haben unter dem Eindruck des Todes des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong am Montag im Minus eröffnet. Der südkoreanische Kopsi-Index brach um 4,1 Prozent ein, erholte sich jedoch später etwas und pendelte sich bei 1.782,50 Punkten ein. In Japan fiel der Nikkei-Index um ein Prozent auf 8.314,44 Punkte, der Shanghaier Composite-Index sank um 2,6 Prozent auf 2.167,68 Punkte.

Euro knapp über 1,30 Dollar – Tod von Kim Jong Il belastet

Der Euro ist am Montag über die Marke von 1,30 US-Dollar zurückgeklettert. Nachdem Nordkorea am Morgen den Tod seines langjährigen Machthabers Kim Jong Il bekanntgab, war die Gemeinschaftswährung im asiatischen Handel zwischenzeitlich bis auf 1,2984 US-Dollar gefallen. Zuletzt wurde der Euro leicht erholt bei 1,3008 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,3064 (Donnerstag: 1,3019) Dollar festgesetzt.

Die Nachricht vom Tod des nordkoreanischen Diktators sei an den Finanzmärkten mit Verunsicherung aufgenommen worden, sagten Händler. Während die asiatischen Börsen nachgaben, war der Dollar als Fluchtwährung gesucht. Die US-Devise legte gegenüber fast allen Referenzwährungen deutlich zu.

Der Euro wurde unterdessen zusätzlich durch die prekäre Lage in der europäischen Schuldenkrise belastet. Am Nachmittag beraten die Euro-Finanzminister über den Plan, Mittel für angeschlagene Länder über den Internationalen Währungsfonds (IWF) bereitzustellen. Frankreich, das unter akutem Abwertungsdruck der Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's steht, will zudem sieben Milliarden Euro am Geldmarkt einsammeln.

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