Großbritannien

Politiker tritt wegen Feier mit Nazi-Kostümen zurück

Aidan Burley muss als Verkehrsexperte abtreten. Auf einem Junggesellenabschied hatte er mit dem Bräutigam posiert – der trug eine SS-Uniform und machte den Hitlergruß.

Foto: Andrew Parsons/PA

Ein britischer Parlamentsabgeordneter, der an einem Junggesellenabschied mit als Nazis verkleideten Partygästen teilgenommen hatte, hat seinen Posten als Verkehrsexperte verloren. Der 32-jährige Aidan Burley habe sich "anstößig" und "dumm" verhalten, sagte ein Sprecher der konservativen Partei. Deshalb habe er seinen Posten als parlamentarischer Privatsekretär von Verkehrsministerin Justine Greening räumen müssen.

Der 32 Jahre alte Abgeordnete aus der Grafschaft Staffordshire hatte am vorletzten Wochenende mit Freunden eine "Stag Party" in einem französischen Ski-Ferienort besucht. Stag-Partys sind die beliebten Abschiedsfeiern vom Junggesellenleben. ("Stag" gleich Hirsch; bei den Frauen heißt das Pendant "Hen Party", die Feier der Henne). Der einladende Hirsch und Oxford-Freund Burleys, Mark Foumier, war zu der Feier in der Uniform eines SS-Offiziers erschienen und hatte auf Fotos, die in die Presse gelangten, mit Hitlergruß salutiert.

Premierminister David Cameron fackelte nicht lange und ließ seinen Parteifreund Burley wegen seines "beleidigenden und dämlichen Benehmens" abkanzeln. Auch entband er ihn von seinem Posten eines Parliamentary Private Secretary (PPS) im Verkehrsministerium, wo Burley Greening im Parlament zugearbeitet hatte. PPS-Positionen gelten als aussichtsreiche erste Sprosse auf der politischen Karriereleiter. Mit der dürfte es für Burley erst einmal vorbei sein. Cameron ordnete seinem Sprecher zufolge weitere Untersuchungen in dem Fall an.

Burley will nach Auschwitz reisen

Vor wenigen Tagen sprach Burley, der eine Elitebildung an der Universität Oxford (Studienfach: Theologie) genossen hatte, in einem Brief an die Zeitung "Jewish Chronicle" bereits seine "vorbehaltlose, ernsthafte und uneingeschränkte Entschuldigung" aus. Er bedauerte, im Umkreis einer solchen Party überhaupt erschienen zu sein. Sein Fehler sei es gewesen, nicht sofort den Raum mit dem Auftritt seines Freundes verlassen zu haben.

Das hat man ihm inzwischen als Ausrede nachweisen können: Es war offenbar Burley selbst, der die SS-Uniform für seinen Freund Foumier beschafft hatte. Kleinlaut ließ er jetzt bei der Bildungsstelle des britischen "Holocaust Trust" nachfragen, ob man für ihn nicht eine Reise nach Auschwitz organisieren könne, er habe "den höchsten Respekt vor dem jüdischen Glauben, und der Holocaust darf nie vergessen werden".

In Großbritannien hatte ein ähnlicher Vorfall bereits 2005 für Aufsehen gesorgt: Damals erschien Prinz Harry mit einer Hakenkreuz-Armbinde auf einer Kostümparty.