Russische Dissidenten

Diese Menschen verweigern Putin die Gefolgschaft

Auch der Westen hatte nicht geahnt, dass es in Russland Bürger gibt, die auf die Straßen gehen würden. Nun sind sie da und bekämpfen Putins Vision vom Staat.

"Ihr habt keine Ahnung, wer wir sind“ – dieses Plakat trug einer der Demonstranten in Moskau am vergangenen Wochenende. Wladimir Putin konnte sich in der Tat kaum vorstellen, dass es in Russland Zehntausende Menschen gibt, die für ihre Rechte auf die Straße gehen. Geprägt vom Geheimdienst, bedauert er den Untergang der Sowjetunion als „größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“.

In dem Land, das Putin so vermisst, kontrollierte der Staat alle Sphären des Lebens, ließ kein freies Denken zu und vergiftete die Beziehung zwischen den Menschen. Es gab zu viel Staat und zu wenig Gesellschaft.

Doch in den 20 Jahren, die seit dem Zerfall der Sowjetunion vergangen sind, entstand in Russland trotz aller Hindernisse eine aktive Zivilgesellschaft. Sie hat ihre Wurzeln in der Dissidentenbewegung der 60er-Jahre und der Perestroika. In den satten Jahren, als die hohen Ölpreise viele Russen zu relativem Wohlstand brachten, schlief sie nicht ein, wie viele dachten, sondern wurde langsam stärker. Die neue Generation, die die Sowjetunion nur aus Geschichtsbüchern kennt, war doch nicht bereit, Freiheit gegen Wohlstand zu tauschen.

Auch der Westen hatte keine Ahnung, wer die Leute sind, die nun auf die Straßen gehen. Man war genauso überrascht wie die russische Regierung. Fragen, ob Putins Stabilität nicht besser sei als die unbekannten Oppositionellen, werden bereits gestellt. Doch früher oder später werden aus dieser Bewegung neue politische Figuren hervorgehen.

Die russische Zivilgesellschaft hat viele Gesichter. Da sind alte Dissidenten, die seit Jahrzehnten für Meinungsfreiheit kämpfen, aber auch junge Künstler und Musiker, die das Land verändern wollen. Zum 20. Jahrestag des Endes der Sowjetunion zeigt die „Morgenpost Online“ Porträts russischer Aktivisten und Menschenrechtler, ins Bild gesetzt vom Star-Fotografen Platon im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.