Medewedjew-Telefonat mit Obama

"Kalter Krieg"-Rhetorik für Russland "inakzeptabel"

Der Kremlchef Dmitri Medwedjew verbittet sich US-Kritik an der russischen Parlamentswahl. Gleichzeitig droht er mit einer neuen Aufrüstung.

Foto: REUTERS

Kremlchef Dmitri Medwedjew hat sich Kritik der USA an der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Parlamentswahl in Russland strikt verbeten. Einige Aussagen der US-Regierung seien unannehmbar und empörend, sagte Medwedjew bei einem Treffen der Regierungspartei Geeintes Russland.

„Ich war gezwungen, Präsident Barack Obama gestern am Telefon zu sagen, dass die Bewertung unserer Wahlen durch die USA für uns keinerlei Bedeutung hat“, sagte er nach Angaben der Agentur Interfax in seiner Residenz Gorki bei Moskau.

Russland sei offen für korrekte Kritik. Aber „Töne wie im Kalten Krieg“ seien nicht akzeptabel, unterstrich der Staatschef.

Moskau lasse sich nicht einschüchtern

Den begonnenen Neustart in den Beziehungen mit den USA wolle Russland fortsetzen, sagte Medwedjew. Moskau lasse sich aber nicht einschüchtern und werde seine nationalen Interessen weiter verfolgen. Das gelte insbesondere für die umstrittenen US-Pläne einer Raketenabwehr in Europa. „Wenn man uns nicht anhört, werden wir antworten“, warnte der Kremlchef.

Russland droht als Reaktion auf die Pläne mit einer Aufrüstung seiner Ostsee-Exklave Kaliningrad rund um das ehemalige Königsberg. Vor kurzem hatte bereits der russische Regierungschef Wladimir Putin den USA vorgeworfen, das Signal für die Massenproteste im Riesenreich gegeben zu haben .

Erneute Proteste gegen Parlamentswahl

In Moskau haben unterdessen rund 1000 Demonstranten gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug protestiert und Neuwahlen gefordert.

Laut Medienberichten gingen weitere 500 Menschen in der sibirischen Stadt Irkutsk und rund 100 bei einer nicht genehmigten Demonstration in Samara auf die Straße.

Dort wurden vier Demonstranten festgenommen. Die Teilnehmerzahl bei den Protestkundgebungen blieb weit hinter jenen vom vergangenen Samstag zurück, als Zehntausende Menschen in mindestens 60 Städten gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug demonstriert hatten.

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