Proteste in China

Der tote Bauer, das Herz und der Folterverdacht

| Lesedauer: 2 Minuten
Johnny Erling

Foto: AFP

Zum ersten Mal werden die Leiden der Entrechteten in China öffentlich – sogar parteinahe Zeitungen berichten. Dafür musste erst ein Bauer sterben.

Der Bauer Xue Jinbo starb am 11. Dezember in Polizeihaft der südchinesischen Stadt Shanwei – nur zwei Tage, nachdem er als angeblicher Rädelsführer eines sieben Wochen zurückliegenden Aufruhrs festgenommen worden war. „Plötzlicher Herzinfarkt“ verkündeten die Behörden.

Seine Familie, die vom 42-Jährigen im Hospital Abschied nahm, erzählte im Fischerdorf Wukan die Ereignisse ganz anders. Sie hätten den Toten mit Spuren von Folter aufgefunden. Die Rippen seien ihm gebrochen worden, der Körper überall mit Striemen bedeckt.

Landenteignung, Vertreibung und Korruption

Das Besonders an dieser Geschichte vom brutalen Ende eines Bauernprotestes gegen Landenteignung, Vertreibung und korrupte Funktionäre ist, dass nicht nur Mikroblogs die beiden Versionen vom Tod verbreiten.

Auch offizielle Zeitungen, darunter sogar die parteinahe „Global Times“ berichten darüber und mit Sympathie für die Bauern. Das hat soviel Aufsehen erregt, dass die Polizeiführung sich öffentlich mit medizinischen Gutachten gegen die „Gerüchte“ verteidigen musste, dass Bauer Xue gefoltert wurde.

Aber viele Fragen werden jetzt in aller Offenheit diskutiert. Wie begann eigentlich die so tragisch endende Geschichte? Dabei werden immer mehr Details über den langwierigen Kampf der 13.000 Bauern von Wukan bekannt. Seit Juni 2009 wehrten sie sich vergebens, dass ihnen 80 Prozent ihrer Grundstücke für den Bau von Industrieprojekten ohne angemessene Entschädigung weggenommen wurden.

Polizeiwagen wurden zerstört

Sie waren selbstherrlichen Funktionären ausgeliefert. Ihre schwelende Wut entzündete sich am 21. September bei einer Attacke auf das Wukan-Dorfkommitee. Polizeiwagen wurden zerstört.

Danach kam es unter den friedlich Bauern zu weiteren Massenprotesten, bei denen sie ihre Funktionäre vertrieben und ihr Dorf abriegelten. Die Behörden nahmen fünf Aktivisten fest, darunter Xue. Sein Tod, wie auch immer er verursacht wurde, bringt nun alles zum Vorschein