"Psychologische Kriegsführung"

Der Krieg um einen Weihnachtsbaum in Korea

Eine Leuchtinstallation in Form eines Weihnachtsbaumes nahe der Waffenstillstandslinie sorgt zwischen Nord- und Südkorea für Ärger. Pjöngjang droht bereits mit "unvorhersehbaren Konsequenzen".

Weihnachtsbäume sind Geschmackssache. Das zeigt schon der Streit um die feuerspeiende „Schrott-Tanne“ auf dem Breitscheidplatz. Umso schlimmer, wenn ein ganzes Land überhaupt nichts mit der Tradition von Weihnachten anfangen kann und will. So Nordkorea. Die kommunistische Volksrepublik will keinen Weihnachtsbaum sehen, nicht mal, wenn es gar keiner ist und er auch nicht im eigenen Land steht.

Es geht um einen 30 Meter hohen Metallturm, der auf einem Hügel steht, nur drei Kilometer von der schwer bewachten Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea entfernt. Und dessen Beleuchtung hat eben die Form eines Weihnachtsbaums. Eine christliche Gruppe hat nun den Antrag gestellt, die Beleuchtung für den Metallbaum einzuschalten, und das südkoreanische Verteidigungsministerium will das auch gerne prüfen.

Damit ist Pjöngjang jedoch nicht einverstanden. Auf der Internetseite der Regierung wird der Plan als „hinterhältiger Versuch psychologischer Kriegsführung“ bezeichnet. Südkorea wolle die Bewohner Nordkoreas zum Christentum bekehren. Angeblich ist der „Baum“ von Nordkorea aus zu sehen, von der Stadt Kaesong aus – die fünftgrößte Stadt des Landes, mit mehr als 300.000 Einwohnern.

Nun ist der Vorwurf der „psychologischen Kriegsführung“ scheinbar weit hergeholt. Allerdings gehören zu einem Streit immer zwei: 2004 hatten beide Länder ein Abkommen geschlossen, das Propaganda in der Grenzregion untersagt. Daraufhin hatte Südkorea den „Weihnachtsbaum“ nicht mehr eingeschaltet. Das tat man erst wieder 2010, als es neue Spannungen gab. Die Regierung in Seoul scheint den Metallturm also durchaus als Provokation einzusetzen.

Aber was will man tun? Wer nicht an Weihnachten glaubt, dem dürfte auch das Konzept eines Fests der Liebe und des Friedens wohl eher fremd sein.