Russland-Proteste

Putin-Parteifreund droht Demonstranten mit dem Tod

| Lesedauer: 3 Minuten

Ein Abgeordneter von Putins Partei verbreitet am Tag der größten Protestaktionen seit dem Jahr 2000 Morddrohungen gegen Oppositionelle. Dennoch gehen Zehntausende auf die Straße.

Mit Todesdrohungen gegen russische Oppositionelle über den Kurznachrichtendienst Twitter hat ein Abgeordneter der Regierungspartei erneut für Aufregung gesorgt. Er wolle „für Russland sterben“ und dabei „30 Liberale mitnehmen“, kündigte Konstantin Rykow (32) nach Angaben russischer Medien an – kurz vor einer Großdemonstration von Kremlgegnern gegen das von Fälschungsvorwürfen überschattete Ergebnis der Parlamentswahl.

Der Ultranationalist, der seine Mitteilungen oft mit „Ehre sei Russland“ beendet, saß bislang für die von Ministerpräsident Wladimir Putin geführte Partei Geeintes Russland in der Staatsduma.

Wenige Tage zuvor hatte Rykow über Twitter Oppositionelle vulgär beleidigt. Die Mitteilung tauchte für kurze Zeit auch auf der offiziellen Seite von Präsident Dmitri Medwedew auf. Der Kreml machte einen Mitarbeiter verantwortlich, der eigenmächtig gehandelt habe, und löschte den Eintrag rasch.

Demonstranten tragen weiße Blumen und Schleifen

Für den Samstag werden in etlichen Städten von Wladiwostok bis Königsberg Tausende Demonstranten erwartet. Es sollen die größten Protestaktionen werden, seit Putin im Jahr 2000 die Macht übernahm.

Allein in Moskau haben sich zehntausende Kremlgegner zu Protesten versammelt. Der vorgesehene Platz im Zentrum der russischen Hauptstadt sei bereits überfüllt, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur dpa. Tausende strömten friedlich über die Seitenstraßen zu der genehmigten Kundgebung.

Alle Altersgruppen und Schichten seien vertreten. Viele Teilnehmer hatten weiße Schleifen an ihre Kleidung geheftet und trugen weiße Blumen.

Auf Schildern forderten sie den Rücktritt von Regierungschef Wladimir Putin und die Freilassung politischer Gefangener wie des Ex-Ölmanagers Michail Chodorkowski. Vor allem orangefarbene Fahnen der regierungskritischen Bewegung Solidarnost waren zu sehen.

52.000 Sicherheitskräfte in Moskau

Über soziale Netzwerke hatten sich mehr als 35.000 Menschen angekündigt. Allerdings blieben auch zahlreiche Putin-Gegner aus Angst vor Provokationen zu Hause. Ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Platz. Insgesamt waren 52.000 Sicherheitskräfte in Moskau im Einsatz.

Führende Oppositionelle wie der Blogger Alexej Nawalny und der Politiker Ilja Jaschin fehlten bei der Kundgebung, weil sie wegen angeblichen Widerstands gegen die Polizei bei einer nicht genehmigten Demonstration zu 15 Tagen Arrest verurteilt worden waren.

Der Beginn der Kundgebung verzögerte sich wegen des Massenandrangs, wie die Agentur Itar-Tass meldete. Die Organisatoren warfen der Polizei Schikane vor. So gebe es an einer Seite des Versammlungsortes nur zwei Metallrahmen, durch die alle Teilnehmer hindurch müssten. Kremltreue Kräfte wollten für die Regierungspartei Geeintes Russland demonstrieren.

Erste Festnahmen nahe der chinesischen Grenze

Eine erste Demonstration gab es in Wladiwostok an der Pazifikküste, wo Augenzeugen zufolge etwa 1000 Menschen auf die Straße gingen. Die Teilnehmer hätten eine Annullierung der Wahl und die Freilassung von Gefangenen verlangt. Die Polizei habe zunächst nicht eingegriffen.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Ria wurden dagegen in Chabarowsk nahe der Grenze zu China etwa 20 Personen festgenommen.

( dpa/ks )

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