Gipfel in Durban

Klimakonferenz droht "Scheitern aus Zeitmangel"

Bei den Verhandlungen in Durban ist keine Einigung in Sicht – obwohl viele Delegationen schon heute abreisen wollten. Möglich ist eine zweite Konferenz in sechs Monaten.

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Die UN-Klimakonferenz in Durban steht möglicherweise vor dem Scheitern. „Wir sind in der allerschlechtesten Lage, nämlich der Gefahr eines Scheiterns aus Zeitmangel“, sagte die französische Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet.

Sie begründete dies mit den organisatorischen Problemen aufgrund der starken Verzögerung der Beratungen. Inhaltlich hatte sich dagegen während der Nacht eine gewisse Annäherung der unterschiedlichen Standpunkte abgezeichnet.

Kosciusko-Morizet verband ihre Einschätzung mit scharfer Kritik an der Organisation der Verhandlungen durch die südafrikanische Präsidentschaft der Konferenz. Diese habe den Zeitmangel während der Verhandlungen der Nacht zuvor offensichtlich überhaupt nicht mit berücksichtigt.

„Man hat den Eindruck, dass die südafrikanische Präsidentschaft eine Zeitvorstellung hat, die für diese Art von Verhandlungen nicht normal ist“, sagte die Ministerin. Die Klimakonferenz hätte eigentlich Freitagabend enden sollen. Bis Samstagmittag war jedoch nicht einmal ein Zeitpunkt für die abschließende Plenarsitzung in Sicht.

Röttgen lässt Flug auf Sonntag umbuchen

Vor Kosciusko-Morizet hatte auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wegen der Zeitprobleme Zweifel an den Erfolgschancen der Konferenz geäußert. „Wir sind sehr, sehr spät dran“, betonte Röttgen, der wie viele europäische Amtskollegen seinen Flug von Samstag auf Sonntag umbuchen ließ. Es wurde mit harten Verhandlungen bis in den Abend hinein gerechnet.

Viele Delegationen müssen eigentlich am Samstag abreisen und hatten nicht mit der Verlängerung der Konferenz gerechnet. Möglich ist weiterhin auch eine Vertagung der Konferenz auf kommendes Jahr. Wegen fehlender Entwürfe für Abschlusserklärungen und des Streits, ob große Klimaverschmutzer bis 2015 einem Fahrplan für einen rechtlich verbindlichen Klimavertrag zustimmen können, verzögerten sich wichtige Sitzungen immer wieder.

In der Nacht zu Samstag hatte auch die deutsche Delegation erneut bis 05.00 Uhr morgens verhandelt. Staaten wie Indien, China und die USA hätten an ihrer Position nichts geändert, sagte Röttgen. Sie würden weiter einem Ergebnis im Weg stehen, „das sich orientiert an dem Zwei-Grad-Ziel“, sagte Röttgen.

EU will Fahrplan für rechtlich verbindliches Abkommen bis 2015

Die EU fährt im Verbund mit rund 100 weiteren Staaten eine kompromisslose Strategie. Wenn die großen Blockierer sich nicht zu einem Fahrplan für ein rechtlich verbindliches Abkommen bis 2015 bekennen, drohen sie damit, den Klimagipfel platzen zu lassen.

Dann stünde auch eine Fortführung des 2012 auslaufenden Kyoto-Prozesses bis zum Inkrafttreten eines Weltklimavertrages vor dem Aus. Zu dem Kyoto-Prozess bekennen sich aber ohnehin nur noch Staaten, die 15 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen ausmachen.

Der erste Vorschlag der südafrikanischen Konferenzpräsidentin für einen Weg zu einem erstmaligen Weltklimavertrag wurde von der EU und den kleinen Inselstaaten verworfen, weil er ihnen zu unverbindliche Ziele enthielt zur Bekämpfung der Erderwärmung.

Der zweite Entwurf machte strengere Vorgaben, was Röttgen begrüßte. Bei Punkt 6 wird ein klares Bekenntnis zum Abschluss eines Weltklimavertrags bis spätestens 2015 abgegeben. Offen gelassen wird aber, wann er in Kraft treten soll.

"Es kommt auf jedes Wort an"

Zudem wird von einem rechtlich verbindlichen Protokoll „oder einem anderen rechtlichen Instrument“ gesprochen. Bei letzterem fehlt aber das Wort „verbindlich“ – die Verpflichtung, bestimmte Minderungsziele beim CO2-Ausstoß zu erreichen, könnte so abgeschwächt werden.

Unklar bleiben auch die Klimaschutzverpflichtungen bis 2015, also wie die Lücken bis zur Einigung auf einen Vertrag so gefüllt werden, dass die Treibhausgasausstöße nicht immer weiter steigen. Strittig ist auch, wie die Minderung der Ausstöße gemessen und verglichen werden soll.

„Da kommt es auf jedes Wort an“, sagte Martin Kaiser, Leiter der Internationalen Klimapolitik bei Greenpeace. Er lobte den neuen Entwurf. Dieser sei es wert, verhandelt zu werden.

Es wäre gut, wenn dieser Text unverändert zur Abstimmung in das abschließende Plenum der Konferenz ginge. Das Plenum sollte ursprünglich am Freitag beginnen, aber auch am Samstagvormittag war der Start nicht absehbar.

Klimaexperte rechnet mit Vertagung

„Dann könnte die Welt bei der Schlussabstimmung sehen, auf welcher Seite die EU, China und Präsident Obama am Ende stehen“, sagte Kaiser. Bei der Rechtsverbindlichkeit eines globalen Vertrags dürfe Röttgen auch für die USA keine Kompromisse machen.

Kaiser forderte, das Kyoto-Protokoll nur bis 2017 zu verlängern, um so den Druck zu erhöhen, dass ein globales Klimaabkommen schon 2018 in Kraft treten könnte.

Zu einer möglichen Vertagung des Klimagipfels und Fortsetzung etwa in Bonn, wo das UN-Klimasekretariat sitzt, wollte sich Röttgen nicht äußern.

Klimaexperte Christoph Bals von Germanwatch sagte hingegen: „Ich schätze, dass die Uhr angehalten wird und man sich vertagt.“ Dies hatte es schon einmal vor zehn Jahren gegeben, als die 6. Klimakonferenz in Den Haag vertagt und schließlich ein halbes Jahr später Mitte 2001 in Bonn erfolgreich beendet wurde.