Österreich

Eine Silbe mehr für die politische Korrektheit

In Österreich wird bald politisch korrekt gesungen. Denn in der Nationalhymne werden künftig nicht nur Männer sondern auch Frauen erwähnt.

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Für Österreich, daran kann es kaum Zweifel geben, beginnt am 1. Januar 2012 eine neue Zeitrechnung. Es wird das Zeitalter der Frauen sein. Denn nach jahrzehntelangem Streit und parteiübergreifenden – nicht bloß männlichen – Bedenken hat der Nationalrat in Wien beschlossen, die Nationalhymne zu ändern.

Bisher tönte es getragen zu allen großen Anlässen: „Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne.“ Damit ist nun Schluss, ab Januar heißt es: „Heimat großer Töchter und Söhne, Volk, begnadet für das Schöne.“ Ob das jeder reibungslos auf die getragene Melodie singen kann, darf zwar bezweifelt werden.

Umtextung sei "kulturlos"

Aber eine Silbe mehr für die politische Korrektheit – die soll sich wohl hinnuscheln lassen. Geändert wurde auch die dritte Strophe der von Paula Preradovic gedichteten Bundeshymne: Statt „Einig lass in Bruderchören, Vaterland dir Treue schwören“ werden nun „Jubelchöre“ angestimmt. Das von manchen bevorzugte „Heimatland“ statt „Vaterland“ konnte sich jedoch nicht durchsetzen.

Für die neue Fassung stimmten die Abgeordneten der großen Koalition aus ÖVP und SPÖ sowie die Grünen. Die rechtspopulistischen Parteien FPÖ und BZÖ lehnten sie ab. Die FPÖ ließ über ihre – wohlgemerkt – Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner wissen, die Umtextung sei „kulturlos“, die Hymne sei schließlich „kein Sprachbasteltext“.

Lange an der Änderung gebastelt

Zugegeben: Österreich hat lange an der Änderung gebastelt. Zuletzt war sogar in diesem Sommer der Geschlechterkampf im Nationalrat eskaliert. Mit einem Geheimantrag wollte Ex-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat von der konservativen ÖVP gemeinsam mit allen Parlamentarierinnen der SPÖ und den Grünen Fakten schaffen.

Doch der politisch korrekte Plan sickerte durch – die ÖVP-Männer stellten sich quer. Schließlich lenkte die Parteiführung aber ein. Und so durften sich die Abgeordneten nach der Abstimmung die von einem Kirchenchor gesungene neue Hymne anhören. Ob alle eingestimmt haben, darf indes bezweifelt werden: „Wir singen, was wir wollen“, ließ das BZÖ wissen.