US-Republikaner

Cain geht – "In Frieden mit Gott und meiner Frau"

Herman Cain hat sich aus dem Kandidatenrennen der US-Republikaner verabschiedet. Zu Fall brachte ihn letztlich eine außereheliche Affäre. Trotzdem hält seine Frau zu ihm.

Und wieder einer weniger. Aus dem Kandidatenrennen der Republikaner hat sich am Wochenende der in vielen Umfragen führende Herman Cain verabschiedet , dem sexuelle Belästigung und eine außereheliche Affäre vorgeworfen worden war.

Das ist ein wichtiger Punktgewinn für Mitt Romney, den Ex-Gouverneur von Massachusetts. Aber der bereits vor Beginn des parteiinternen Wahlkampfes zum Favoriten ausgerufene Manager der Olympischen Winterspiele von 2002 in Salt Lake City erlebt gerade ein beunruhigendes Déjà vu: Schon wieder schickt sich mit Newt Gingrich, dem Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses, ein interner Konkurrent an, in der Gunst der Partei an Romney vorbeizuziehen.

Er ist bereits der vierte Republikaner, der den Sieg des in weiten Teilen der Basis als zu liberal angesehenen Romney verhindern könnte.

"In Friede mit Gott und meiner Frau"

Der 65-jährige Cain gab sein Ausscheiden am Samstag in seiner Heimatstadt Atlanta in Georgia vor Hunderten enttäuschter Anhänger bekannt. Der Geschäftsmann, der noch nie in ein politisches Amt gewählt worden war und von dieser Ferne zum Washingtoner Establishment profitierte, bestritt auch in diesem Auftritt jedes sexuelle Fehlverhalten.

Er sei „in Frieden mit Gott, in Frieden mit meiner Frau“ und in Frieden mit sich selbst. Doch seine Familie werde durch die Angriffe zunehmend verletzt.

Am vorigen Montag hatte Ginger White, eine arbeitslose Geschäftsfrau aus Atlanta, angegeben, sie habe mit dem verheirateten Familien- und Großvater Cain über mehr als 13 Jahre hinweg eine erst vor wenigen Monaten beendete Affäre gehabt. Zuvor hatten drei Frauen den insbesondere um den konservativen Republikaner-Flügel werbenden Cain sexueller Zudringlichkeiten beschuldigt.

Der Buchautor und Vortragsredner, der durch seine bisherige Rolle in der Kandidatenkür seinen Marktwert deutlich gesteigert hat, wies alle Vorwürfe zurück. White habe er lediglich aus einer alten „Freundschaft“ heraus finanziell unterstützt. In einem Interview räumte er aber ein, seine Frau Gloria sei „verletzt“, weil er sie über diese finanzielle Hilfe für White nicht informiert habe.

Gloria Cain unterstützt ihren Mann trotz Vorwürfen

Am Freitag hatte der einstige Chef der Restaurantkette „Godfather’s Pizza“ daraufhin seine Tour durch die Bundesstaaten unterbrochen, um sich mit seiner Frau auszusprechen. Gloria Cain erschien am Samstag zur Demonstration ihrer Loyalität auf der Bühne in Atlanta, von der Cain einen Tag später seinen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr überraschenden Rücktritt bekannt gab.

„In naher Zukunft“ wolle er mitteilen, welchen Kandidaten er seinen Anhängern zur Nominierung empfehle: „Obama wird es sicher nicht sein“, witzelte der Afroamerikaner zum Abschied.

Nach Umfragen neigen die Anhänger Cains je zur Hälfte Romney und Gingrich als „zweiter Wahl“ zu. Darum werden sich beide Bewerber hinter den Kulissen intensiv um das „Endorsement“ des Ex-Konkurrenten bemühen.

Sie rüsten sich zum Finale. Schon im Januar beginnen die Vorwahlen in den Bundesstaaten. Romney erscheint dabei ein wenig wie der alte Wein mit dem noblen Etikett im Regal, den man seit Jahren öffnen möchte. Aber ist er wirklich noch gut oder blamiert man sich damit bei den Gästen? Bei jeder möglichen Gelegenheit greift man sicherheitshalber auf eine andere Flasche zurück.

Im Spätsommer ging zum Auftakt des Schaulaufens der Kandidaten zunächst Michele Bachmann, die konservative Abgeordnete aus Minnesota, in Führung. Die Ikone der Tea-Party-Bewegung gewann die traditionell wichtige Probeabstimmung in Iowa.

Bachmann will Waterboarding wiedereinführen

Sie wirbt für die Wiedereinführung des „Waterboarding“ als effizienter Verhörmethode und verblüffte unlängst durch die Forderung, die US-Botschaft in Teheran zu schließen – das aber hat das iranische Mullah-Regime bereits vor 32 Jahren erledigt.

Der texanische Gouverneur Rick Perry führte nach Bachmann das Kandidatenfeld an. Perry spricht ebenfalls die konservative Basis an, präsentiert sich als gelegentlich zum Massengebet einladender Christ und kann auf Regierungserfahrung und starke Zahlen bei der Ansiedlung neuer Jobs in seinem Bundesstaat verweisen.

Perrys Abstieg in den Umfragen begann, als er in einer Fernsehdebatte drei Ministerien aufzählen wollte, die er im Falle seiner Wahl abschaffen werde, aber nur auf zwei kam.

„Herminator“ Cain, der Trommler für eine starke Wirtschaft, stieg überraschend zum neuen Favoriten auf. Er wurde als „Flavor of the Week“, als flüchtiger Geschmack verspottet. Doch immerhin rund zwei Monate hielt er sich an der Spitze. Jetzt aber ist er verweht.

Gingrich führt in den Umfragen

Und nun führt Gingrich die Umfragen an. Der 67-jährige Historiker organisierte den Widerstand der Republikaner im Kongress gegen Präsident Bill Clinton. Der Dinosaurier des Politbetriebs galt bislang als chancenlos. Jetzt ist er die letzte Hoffnung der Konservativen.

Denn Romney gilt der Republikaner-Basis als unzuverlässig in Fragen wie Abtreibung und Waffenrecht. Besonders verübelt wird ihm eine Gesundheitsversicherung, die er in Massachusetts einführte und die Obama als Modell für seine eigene Reform angepriesen hat.

Doch gerade wegen dieser Vorgeschichte könnte Romney Wähler in der Mitte zu den Republikanern herüberziehen. Er wäre für Obama der gefährlichste Gegner.