Pakistan

Nato-Angriff offenbar von Taliban provoziert

Der Nato-Angriff mit 24 Toten in Pakistan ist möglicherweise auf eine Verwechslung zurückzuführen. Wie ranghohe US-Militärs mitteilten, seien die Nato-Truppen zuvor gezielt von Taliban angegriffen worden. Der Gegenschlag traf anschließend fälscherlicherweise die pakistanischen Soldaten.

Foto: AFP

Die Extremisten könnten den Angriff absichtlich provoziert haben, um die angeschlagene Beziehung zwischen Washington und Islamabad weiter zu schwächen, sagten US-Vertreter. Präsident Barack Obama bezeichnete den Tod der 24 pakistanischen Soldaten als Tragödie und kündigte Ermittlungen an.

Auslöser für den Nato-Angriff war vorläufigen US-Militärberichten zufolge eine Verwechslung. Wie die Nachrichtenagentur AP am Montag aus Kreisen der US-Streitkräfte erfuhr, wurde eine afghanisch-amerikanische Patrouille am Samstagmorgen von Taliban-Kämpfern mit Mörsern und Handfeuerwaffen angegriffen. Die Soldaten forderten Unterstützung an und verfolgten den Feind in dem schlecht markierten Grenzgebiet. Schließlich hielten sie einen pakistanischen Grenzposten für ein Lager der Extremisten.

Der Gewährsperson zufolge fragte die afghanisch-amerikanische Patrouille vor dem Angriff noch beim pakistanischen Militär nach, ob es Truppen in der Gegend habe. Das sei verneint worden. Etwa zwei Stunden später, während die Patrouille immer noch die Taliban verfolgte, die nun offenbar in Richtung des pakistanischen Grenzpostens flohen, entdeckte ein US-Kommandeur etwas, was er für ein Lager der Extremisten hielt, mit schweren Waffen, die auf Dreifüßen montiert waren.

Die gemeinsame Patrouille forderte Unterstützung aus der Luft an. Aufzeichnungen zufolge wurden bei dem Luftangriff Apache-Kampfhubschrauber und AC-130-Flugzeuge eingesetzt.

US-Militärs gehen davon aus, dass die Taliban den Ort absichtlich für ihren ersten Angriff wählten, um die Verwirrung auszulösen und amerikanische und pakistanische Truppen dazu zu bringen, aufeinander zu feuern. Den US-Militärkreisen zufolge soll der endgültige Untersuchungsbericht darüber, welche Einheiten involviert waren, ob und wer die Grenze überschritt, wie die Operation koordiniert wurde und wie es zu den Todesfällen kam, am 23. Dezember vorgelegt werden. Afghanische und Nato-Soldaten dürfen Aufständische nicht über die Grenze nach Pakistan verfolgen.

Pakistan erklärte, die Luftangriffe hätten fast zwei Stunden gedauert und seien trotz einer Aufforderung von Kommandeuren, sie zu stoppen, fortgesetzt worden. Die pakistanischen Soldaten seien Opfer eines unbegründeten Angriffs geworden. Die pakistanischen Kommandeure hätten von ihren Gegenübern bei der Nato ein Einstellen des Feuers verlangt, aber „irgendwie sei es weitergegangen“, sagte ein Militärsprecher.

Islamabad schloss nach dem Nato-Angriff zwei für die Versorgung der internationalen Truppen in Afghanistan wichtige Grenzübergänge und forderte die USA zudem zur Räumung des Luftwaffenstützpunktes Shamsi in der Provinz Baluchistan binnen 15 Tagen auf. Der US-Auslandsgeheimdienst CIA soll den Stützpunkt als Basis für sein Drohnenprogramm gegen Kämpfer der Taliban und des Terrornetzwerks Al-Kaida in den pakistanischen Stammesgebieten nutzen.

Die US-Regierung erklärte, Pakistan werde möglicherweise als Reaktion auf den Angriff an einer internationalen Afghanistan-Konferenz kommende Woche nicht teilnehmen. Dies sei auf einer Kabinettssitzung in Lahore entschieden worden, hieß es.