Hubschrauber-Attacke

Pakistan wirft Nato vorsätzlichen Angriff vor

Pakistan hat nach dem Nato-Angriff mit 24 Toten weitere schwere Vorwürfe erhoben. Das ganze Land zeigt sich empört. Eine wichtige Nachschubroute für Nato-Truppen in Afganistan ist bereits gekappt. China springt Pakistan nun zur Seite.

Foto: dpa / dpa/DPA

Nach dem Nato-Beschuss von zwei Militärbasen im Grenzgebiet zu Afghanistan geht die pakistanische Armee von einem vorsätzlichen Angriff des Bündnisses aus. Die Nato-geführte Afghanistan-Schutztruppe Isaf sei über den Standort eines jeden pakistanischen Armeeposten informiert, sagte Militärsprecher Athar Abbas am Montag dem Sender Geo TV. Bei dem Angriff habe es sich nicht um ein Missverständnis gehandelt. „Zu sagen, das sei keine vorsätzliche Handlung gewesen, heißt, die Tatsachen zu verdrehen.“

Bei dem Beschuss durch Isaf-Hubschrauber waren am Sonnabend nach offiziellen pakistanischen Angaben 24 Soldaten getötet worden. Die Nato hat angekündigt, den Vorfall zu untersuchen. Abbas erhob weitere schwere Vorwürfe gegen das Bündnis. Nato-Vertreter in Pakistan seien nach Beginn des Beschusses sofort informiert worden, sagte er. Obwohl Pakistan darum gebeten habe, das Feuer umgehend einzustellen, habe der Angriff weitere eineinhalb Stunden angedauert.

Abbas wies auch die Darstellung der afghanischen Armee zurück, wonach internationale Truppen zuerst von Pakistan aus beschossen worden seien und daher Luftunterstützung angefordert hätten. „Dies ist falsch, sie suchen nur Entschuldigungen“, sagte der Generalmajor. Er forderte die ausländischen Truppen auf, Opfer des angeblichen Beschusses zu präsentieren: „Was sind denn ihre Verluste“?

Abbas sagte einem regionalen Dienst der britischen BBC, in den vergangenen drei Jahren habe die Nato mindestens sieben Mal pakistanische Posten angegriffen. Dabei seien 72 Soldaten getötet und 250 weitere verletzt worden.

China springt Pakistan zur Seite

Im dem Streit sprang nun auch China Pakistan zur Seite. „China ist zutiefst schockiert über den Vorfall und äußert seine große Sorge und sein tiefes Beileid für die Opfer in Pakistan“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Hong Lei, bei einer Pressekonferenz. China ist ein enger Verbündeter und der wichtigste Waffenlieferant Pakistans. Der Sprecher forderte eine Untersuchung des Vorfalls: Die Souveränität Pakistans müsse geachtet und der Vorfall ernsthaft untersucht werden, erklärte das Außenministerium in Peking am Montag.

Nachschubroute der Nato gekappt

Der jüngste Angriff hat in Pakistan eine Welle der Empörung ausgelöst. Die Vereinigung der Betreiber von Tanklastwagen teilte am Montag mit, sie werde keinen Nato-Nachschub mehr transportieren. Die mächtigen Anwälte boykottierten Gerichtsverhandlungen und hielten in mehreren Städten Protestveranstaltungen ab.

Nach dem Angriff hatte die pakistanische Regierung bereits die wichtige Nachschubroute der Nato durch das Land gekappt. Sie hatte die USA außerdem aufgefordert, eine Luftwaffenbasis im Südwesten des Landes binnen 15 Tagen zu räumen. Alle Übereinkünfte mit den USA und der Nato würden überprüft werden.

Tiefpunkt der Beziehungen zwischen USA und Pakistan

Die gebirgige Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan hat immer wieder zu Spannungen zwischen Islamabad und Washington geführt. Mit dem tödlichen Angriff am Sonnabend haben die Beziehungen zwischen Pakistan und den USA, die die Nato-Truppen in Afghanistan anführen, nun einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Nato-Vertreter haben Aufständische bereits in der Vergangenheit beschuldigt, von der pakistanischen Seite der Grenze aus auf ihre Truppen auf afghanischem Staatsgebiet zu schießen. Oft würden sie sich dabei nahe an den Stellungen pakistanischer Soldaten postieren, denen vorgeworfen wird, die Extremisten zu dulden oder gar zu unterstützen. Afghanische und Nato-Soldaten dürfen Aufständische nicht über die Grenze nach Pakistan verfolgen.

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