Mansur Arbabsiar

"Scarface", unzuverlässiger Chaot unter Terrorverdacht

Erfolgloser Kleinunternehmer, trotteliger Kerl, kein Mastermind: Dieser Iraner soll den Anschlag auf den saudi-arabischen Botschafter in den USA geplant haben.

Foto: dpa / dpa/DPA

In seinem Umfeld gilt er als unzuverlässiger Chaot. Regelmäßig soll Mansur Arbabsiar seine Brieftasche, die Schlüssel oder sein Handy verlegt haben. Das entspricht nicht gerade dem Klischee, das man vom gut organisierten Terroristen islamistischen Hintergrunds pflegt.

Nichtsdestotrotz wird dem 56-jährigen Iraner genau das vorgeworfen: Die amerikanischen Behörden verdächtigen ihn , einen kaltblütigen Anschlag auf den saudi-arabischen Botschafter in den Vereinigten Staaten geplant zu haben.

Student in den USA – geboren und aufgewachsen im Iran

In den späten 70er-Jahren kam Arbabsiar als Student in die USA, geboren und aufgewachsen ist er aber im Iran. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten stieß er Mal ums Mal an seine unternehmerischen Grenzen: Nacheinander setzte er ein Autogeschäft, einen Pferdehandel und schließlich auch einen Kebabimbiss in den Sand.

Am Ende brachten ihm die Flops nichts als einen hohen Schuldenberg ein. Im Bekanntenkreis des Iraners zeigt man sich daher erstaunt, dass ausgerechnet Arbabsiar nun einer der führenden Köpfe einer globalen Verschwörung sein soll: „Ein trotteliger Kerl“, so beschreibt ihn ein Ladenbesitzer in Texas, wo der Iraner die vergangenen 30 Jahre verbrachte.

„Lassen sie es mich so sagen: Er ist kein Mastermind“, fügte der Händler hinzu.

Mit Messern fast zu Tode gestochen

In seiner Zeit an der Universität in Kingsville, wo der Einwanderer Maschinenbau studierte, geriet Arbabsiar immer wieder in Schwierigkeiten. In Houston wurde er eines Abends von einer Gruppe Männer attackiert.

Mit Messern bewaffnet, stachen sie den damals 28-Jährigen fast zu Tode. Arbabsiar überlebte nur knapp, noch heute erinnern tiefe Narben auf seiner linken Wange an den Vorfall, die ihm den Spitznamen „Scarface“ einbrachten.

Nachbarn des Iraners in Round Rock, der texanischen Stadt, in der Arbabsiar laut der „New York Times“ seit einigen Jahren mit seiner zweiten Ehefrau und deren Kindern lebte, beschreiben den Terrorverdächtigen aufgrund seines zerfurchten Gesichts als Furcht einflößend.

Arbabsiar soll sich in den letzten zwei Jahren immer weiter zurückgezogen haben. Mehrmals reiste er während dieser Zeit in den Iran, weil er in seiner Heimatstadt Kermanschah einige Immobilienfirmen unterhielt.

Kontakt zu einem mexikanischen Drogenkartell

Während einer dieser Aufenthalte kam er über seinen Cousin wohl in Kontakt mit den Al-Quds-Eliteeinheiten der iranischen Revolutionsgarden. Ein Mitglied der al-Quds soll den USA-Immigranten damit beauftragt haben, Kontakt zu einem mexikanischen Drogenkartell herzustellen und den Anschlag auf den saudi-arabischen Botschafter zu organisieren.

Im Umfeld des Iraners wird vermutet, dass es nicht politische Überzeugung ist, aus der heraus Arbabsiar handelte. Das Motiv soll banalerer Natur gewesen sein. „Er war kein Radikaler. Er war ein Geschäftsmann, und Leute mit Geld, die wollen immer noch mehr Geld verdienen“, glaubt ein Bekannter.