Afghanistan

Der traurige Jahrestag der Bundeswehr

Neun Jahre nach Kriegsbeginn gegen die Taliban fiel in Baghlan der 48.deutsche Soldat. US-Piloten bargen damals seinen Leichnam. "We’re taking out a fallen hero."

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Mit mehreren schweren Explosionen in der Hauptstadt Kabul begann am 7. Oktober 2001 der Krieg der USA und Großbritanniens gegen die Taliban. Auf den Tag genau neun Jahre später fiel in der Provinz Baghlan der 26-jährige Oberfeldwebel Florian Pauli – der 48. deutsche Soldat, der in Afghanistan sein Leben verlor.

Und so gibt es für die Bundeswehr, die erst Anfang 2002 Soldaten in dieses Land schickte, heute einen eigenen traurigen Jahrestag. Zu Ehren ihres gefallenen Kameraden veranstalten die Angehörigen des Fallschirmjägerbataillons 313 im niedersächsischen Seedorf an diesem Freitag einen internen Gedenktag.

Ein als Bauer verkleideter Selbstmordattentäter

Florian Pauli starb am 7. Oktober 2010 gegen 11.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit, als er mit seiner Patrouille eine von Bundeswehrpionieren errichtete Brücke über den Baghlan Fluss überwachen sollte. Ein als Bauer verkleideter Selbstmordattentäter sprengte sich vor dem jungen Sanitäter in die Luft und riss ihn mit in den Tod. Nach den Karfreitags-Anschlägen, bei denen insgesamt sieben Soldaten in nur zwei Wochen starben, stieg die Zahl der deutschen Gefallenen in diesem Jahr auf acht – die höchste seit Beginn des Einsatzes.

Für Generalmajor Hans-Werner Fritz war Oberfeldwebel Pauli der erste deutsche Soldat, den er als Kommandeur des Isaf-Regionalkommandos Nord in einem Sarg nach Hause schicken musste. „So etwas geht einem unter die Haut“, sagt er, „das vergisst man nicht“. Fritz hat den Eltern des Gefallenen zum ersten Todestag ihres Sohnes einen Brief geschrieben – um auch ihnen zu zeigen: „Wir vergessen Euch nicht.“

Fritz war bis Donnerstag Kommandeur der Division Spezielle Operationen (DSO), die seit Beginn des Isaf-Einsatzes Soldaten nach Afghanistan schickt. „Die DSO ist die Division mit den meisten Gefallenen und Verwundeten“, sagte der General bei der Kommandoübergabe an Generalmajor Jörg Vollmer.

Die Soldaten aus Paulis Einheit benannten damals einen vorgeschobenen Kampfposten, einen sogenannten combat outpost, nach ihrem Kameraden. Den Fallschirmjägern gelang es anschließend in monatelangen harten Gefechten, wichtige Gebiete zwischen Kundus und Baghlan zu befreien.

Erste Hilfe für Menschen

„Das waren einmal Hochburgen der Taliban“, erinnert sich General Fritz. „Später konnten wir mit zivilen Kräften in diese Dörfer gehen und den Menschen erste Hilfe bringen.“ Das sei ein wichtiges Zeichen gewesen, eine Kehrtwende zumindest im Zuständigkeitsbereich der Bundeswehr.

Bei aller Tragik und Traurigkeit in jenem Herbst 2010 erinnert sich der frühere Regionalkommandeur auch an eine positive Geste. „Die Amerikaner haben damals unsere Verwundeten mit MedEvac-Hubschraubern aus dem Gefechtsfeld geholt“, erzählt General Fritz.

Obwohl die Kameraden selbst heftig beschossen worden seien, seien sie noch einmal gelandet, um unter Lebensgefahr den toten Florian Pauli zu bergen. Später hätten sie gesagt: „We’re taking out a fallen hero“ – „Wir holen einen gefallenen Helden raus.“ Für Fritz war das sehr beeindruckend, „weil es auch gezeigt hat, dass Kameradschaft keine Staatengrenzen kennt“.