Erziehungspolitik

Erneut Ausschreitungen bei Protesten in Chile

In Chile hat es am Donnerstag erneut massive Proteste gegen die Erziehungspolitik der Regierung gegeben. Nach dem Abbruch der Verhandlungen zwischen der Regierung und der Studenten- und Lehrerbewegung kam es im ganzen Land erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei.

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Studentenproteste in Chile eskalieren

Video: Reuters
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Bei landesweiten Studentenprotesten in Chile sind am Donnerstag (Ortszeit) mindestens 150 Demonstranten festgenommen. Einen Tag nach dem Abbruch der Gespräche zwischen Studentenvertretern und Regierung über eine Bildungsreform ging die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas gegen protestierende Studenten vor. Nach Regierungsangaben wurden 30 verletzt, 25 von ihnen seien Polizisten. Zu Auseinandersetzungen sei es in der Hauptstadt Santiago sowie den Städten Valparaíso, Concepción und Valdivia gekommen. Einige der Demonstranten reagierten mit Steinwürfen auf die Polizisten, vereinzelt wurden Barrikaden errichtet und in Brand gesteckt, wie die Tageszeitung „La Tercera“ berichtete.

Die Gespräche über eine Bildungsreform waren am Mittwoch ergebnislos abgebrochen worden. Die Regierung sei nicht bereit, der Forderung der Studenten nach einer kostenlosen Bildung für alle in irgendeiner Weise entgegenzukommen, sagte Studentensprecherin Camila Vallejo. Sie rief zu neuen Protesten am 19. Oktober auf und verurteilte die Gewalt gegen die Demonstranten als unannehmbar und beispiellos.

Für die Regierung erklärte Bildungsminister Felipe Bulnes, die vierstündigen Gespräche hätten keinerlei Fortschritt gebracht. Seit Mai gehen chilenische Schüler, Studenten und Lehrer für ein verbessertes und kostenloses Bildungssystem auf die Straße. Sie verlangen, dass mindestens 60 Prozent der ärmeren Studenten Stipendien zugesichert bekommen. Das Studium in Chile kostet jährlich tausende Dollar. Zur Finanzierung der Universitätsausbildung müssen die meisten Studenten Kredite aufnehmen.

Vergangene Woche hatte Staatspräsident Sebastián Piñera angekündigt, die Bildungsausgaben würden im kommenden Jahr um 7,2 Prozent steigen. Der Bildungsetat soll 11,7 Milliarden US-Dollar umfassen und damit knapp ein Fünftel des Staatshaushalts ausmachen. Die finanziellen Unterstützungen für arme Schüler sollen um 21 Prozent aufgestockt werden. Für die Hochschulen ist ein Fonds mit vier Milliarden Dollar vorgesehen. Die Bildungsreform habe für die Regierung oberste Priorität, sagte der Staatschef.