Libyen

Kampf um letzte Gaddafi-Bastionen geht weiter

In Gaddafis Geburtsstadt Sirte gehen die Häuserkämpfe unvermindert weiter. Der Übergangsrat spricht jedoch von der „Endphase" der Kämpfe. Bei Tripolis stießen die Milizen des Rates indes auf zwei Massengräber mit angeblich 900 Leichen.

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In Libyen rücken Truppen der Übergangsregierung auf das Stadtzentrum der symbolisch wichtigen Stadt Sirte vor.

Video: Reuters
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Milizen des libyschen Übergangsrates haben sich am Donnerstage in der Küstenstadt Sirte Straßenkämpfe mit Getreuen des entmachteten Diktators Muammar al-Gaddafi geliefert. Unter Offizieren der Milizen werde bereits von der „Endphase“ des Kampfes um Gaddafis Geburtsstadt gesprochen, berichtete der Sender Al-Arabija. Bereits am Vortag hatten die vormaligen Rebellen nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht.

Sirte, 410 Kilometer östlich von Tripolis, und Bani Walid, 150 Kilometer südlich von Tripolis, sind die letzten Bastionen von bewaffneten Gaddafi-Anhängern. Die Milizen des Übergangsrates versuchen schon seit Wochen, sie einzunehmen. Ihr militärisches Vorgehen wird vor allem dadurch erschwert, dass Teile der Zivilbevölkerung in diesen Städten zwischen die Fronten geraten sind. Der Übergangsrat und die Nato behaupten überdies, dass die Gaddafi-Kämpfer Zivilisten als „menschliche Schutzschilde“ missbrauchten.

In der Nähe der Hauptstadt Tripolis wurden indes zwei Massengräber mit angeblich 900 Leichen gefunden, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am Donnerstag unter Berufung auf einen Milizkommandeur des Übergangsrates. Der Mann machte keine Angaben darüber, wann die in den Gräbern gefundenen Opfer getötet wurden.

Ein Fotograf der Fotoagentur epa hatte am Vortag das Massengrab in Gargaresch bei Tripolis aufgesucht. Dort sollen 200 Leichen verscharrt sein. Ärzte und Spezialisten exhumierten zwei Leichen und brachten sie in ein Labor, um durch DNA-Tests ihre Identität und den Zeitpunkt ihres gewaltsamen Todes festzustellen.

Der Übergangsrat beschuldigt das Gaddafi-Regime, nach Ausbruch des Volksaufstands in diesem Februar Tausende Menschen willkürlich hingerichtet zu haben. Gaddafi selbst ist seit seiner Vertreibung aus Tripolis vor eineinhalb Monaten untergetaucht.

Nach Darstellung des italienischen Verteidigungsminister Ignazio La Russa sind die Nato-Bombardements auf Libyen nach einem halben Jahr „praktisch beendet“. „Es ist aber weiterhin nötig, in Alarmbereitschaft zu bleiben“, sagte er am Mittwoch in Brüssel. Zuvor hatte auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen gesagt, die Nato-Mission neige sich dem Ende zu. Erst vor zwei Wochen war sie von den Nato-Staaten um 90 Tage verlängert worden.

Seit diesem Dienstag hält sich in Tripolis ein medizinisches Beraterteam der deutschen Bundesregierung auf. Es soll den Bedarf an Unterstützung bei der Versorgung von Kriegsverletzten feststellen, teilte das Auswärtige Amt am Donnerstag in Berlin mit.