Polen

"Obsessionen und Komplexe" des Jaroslaw Kaczynski

Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski schürt die Angst vor angeblichen deutschen Großmachtplänen. Seine Gegner sind entsetzt.

Foto: dpa

Vor der Parlamentswahl am kommenden Sonntag ist Polen gespalten. Es heißt, dass es A und B gibt.

Eine Seite stimmt für die liberale Bürgerplattform (PO), die andere für die Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS), deren Vorsitzender Jaroslaw Kaczynski ist. Dazwischen sind die kleineren Parteien, die nach der Wahl mit dem Wahlsieger eine Koalition eingehen. So war es auch vor der Wahl im Jahr 2005.

Jetzt greift Kaczynski in seinem Buch „Das Polen unserer Träume“ Angela Merkel an. Er erschreckt die polnische Gesellschaft mit den Worten „Wir könnten eines Tages in einem kleineren Polen aufwachen“ und deutet an, Deutschland hege Großmachtpläne . „Ich glaube nicht, dass die Übergabe der Kanzlerschaft an Angela Merkel ein reiner Zufall war“, fabulierte er zudem.

In Polen werden diese Aussagen nicht ernst genommen. Es hagelt Kritik für Kaczynski. „Was dieser Mann gesagt hat, der in ein paar Wochen im Stuhl des Premierministers sitzen könnte, beleidigt die deutsche Kanzlerin – die Regierungschefin eines der größten Länder der Europäischen Union“, sagt der Europaabgeordnete Michal Kaminski, einst ein enger Mitarbeiter Kaczynskis, jetzt Mitglied in der mitte-rechtskonservativen PJN.

„Seine Aussagen zeigen, dass seine Obsessionen und Komplexe ihn zum Kalten Krieg mit Deutschland führen“, sagte Finanzminister Jacek Rostowski (PO).

2005 zog er die Wehrmachts-Karte

Nicht zum ersten Mal spielen Kaczynski und seine Partei mit der Angst seiner Landsleute vor Deutschland oder Russland. 2005 holzte Kaczynski gegen den heutigen Premier Donald Tusk, dessen Großvater laut Kaczynski in der Wehrmacht gedient hat.

Trotz aller Kritik verteidigt die Partei ihren Vorsitzenden. „Für jeden durchschnittlich klugen Mann ist offensichtlich, was der Präsident im Sinn hat, wenn er sagte, dass die Wahl von Merkel als Bundeskanzlerin kein Zufall war“, sagte Joachim Brudziski, Abgeordneter von „Recht und Gerechtigkeit“.

Am 9. Oktober entscheiden die polnischen Bürger, ob sie am nächsten Tag im „Polen ihrer Träume“ aufwachen wollen.

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