Pakistan

Polizist wegen Politikermordes zum Tode verurteilt

Extremisten demonstrieren gegen das Todesurteil für den Mörder des liberalen Gouverneurs des Punjab. Sie feiern den Polizisten als Helden.

Foto: dpa / dpa/DPA

Ein pakistanisches Gericht hat am Samstag einen Polizisten wegen des Mordes an einem liberalen Politiker zum Tode verurteilt. Der Gouverneur der Provinz Punjab war im Januar am helllichten Tag erschossen worden. Der wenig später festgenommene Polizist gestand die Tat und begründete sie mit der islamischen Scharia.

Der Politiker Salman Taseer habe den Tod wegen seiner Kritik an pakistanischen Gesetzen, die die Todesstrafe für eine Beleidigung des Islams vorsehen, verdient, sagte er aus.

Der Polizist wurde laut einem Bericht des staatlichen Fernsehens von einem Antiterrorgericht im nahe der Hauptstadt Islamabad gelegenen Rawalpindi schuldig gesprochen. Das Verfahren fand in einem Gefängnis unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Anwalt will in Berufung gehen

Vor dem Gebäude hatten sich etwa Hundert extremistische Muslime zur Unterstützung des Polizisten versammelt. Ein Anwalt des Verurteilten kündigte an, Berufung gegen den Richterspruch einzulegen.

Bereits im Vorfeld des Prozesses hatten immer wieder Extremisten zur Unterstützung des Polizisten demonstriert. Die Regierenden in Islamabad scheuten sich, die Kundgebungen öffentlich zu verurteilen. Taseer galt als Vorkämpfer für eine Reform pakistanischer Gesetze.

Mitglieder seiner Familie setzten sich auch nach seinem Tod weiter für seine Ziele ein. Im August wurde daraufhin ein Sohn Taseers aus seinem Auto entführt. Sein Aufenthaltsort ist bisher nicht bekannt.

Taseer hatte Blasphemiegesetze kritisiert

Der 66-jährige Taseer wurde am 4. Januar erschossen, nachdem er öffentlich Kritik an den umstrittenen Blasphemiegesetzen geäußert hatte. Der Politiker setzte sich insbesondere für die Aufhebung der Vorschriften ein, die für die Beleidigung des Islams die Todesstrafe vorsehen.

Der Gouverneur war ein führendes Mitglied der regierenden Volkspartei (PPP) und galt als enger Vertrauter von Präsident Asif Ali Zardari. Der Mord beunruhigte viele weltlich und liberal Gesinnte in Pakistan. Beobachter werteten ihn als Zeichen für die wachsende Radikalisierung der muslimischen Bevölkerung in Pakistan.