Proteste in Kairo

Tausende fordern Rücktritt von Ägyptens Militärrat

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Seit einigen Tagen demonstrieren die Ägypter wieder gegen ihre Herrscher. Nur heißt der Machthaber nicht mehr Husni Mubarak, sondern Mohammed Hussein Tantawi. Doch die Konsequenzen für die Ägypter könnten bald ähnlich sein.

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo haben am Dienstag erneut zehntausende Menschen gegen den regierenden Obersten Militärrat des Landes demonstriert. Sie kamen am Nachmittag auf dem Tahrir-Platz zu einer Kundgebung zusammen, um die Bildung einer von der gesamten Nation unterstützten Regierung zu fordern. An deren Spitze könnte nach neuen Gerüchten der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed ElBaradei, stehen.

In den Stunden vor der Kundgebung strömten riesige Menschenmassen auf den symbolträchtigen Tahrir-Platz. Er war zu Beginn des Jahres das Zentrum der Massenproteste gegen den im Februar gestürzten früheren ägyptischen Staatschef Husni Mubarak gewesen. Der Militärrat hatte nach dem Sturz Mubaraks die Macht in Ägypten übernommen. Am Montag soll in Ägypten ein Parlament gewählt werden.

Unter dem Druck der seit Tagen andauernden Massenproteste führte der Militärrat im Tagesverlauf Gespräche mit mehreren politischen Gruppierungen. Wie das Staatsfernsehen berichtete, sollte der Dialog der Beilegung der Krise dienen. Bei Kämpfen zwischen Demonstranten sowie Armee und Polizei wurden jüngsten Angaben zufolge seit Samstag 28 Menschen getötet, davon 26 in Kairo.

Die gemäßigt islamistisch auftretenden Muslimbrüder wollten nach eigenen Angaben nicht an der Demonstration auf dem Tahrir-Platz teilnehmen. Stattdessen würden sie sich an dem vom Militärrat angesetzten Dialog beteiligen, erklärten sie. Eine Verschiebung der Parlamentswahl wegen der Gewalt der vergangenen Tage lehnten die Muslimbrüder ab.

Die Regierung in Kairo hatte angesichts der Gewalt am Montag beim Militärrat ihren Rücktritt eingereicht. Dieser lehnte den Schritt jedoch ab, wie das Staatsfernsehen unter Berufung auf eine Quelle in der Armee berichtete. Informationsminister Osama Haikel sagte dagegen, der Rat habe in der Frage noch keine Entscheidung getroffen.

Nach Angaben aus ägyptischen Armeekreisen erwog der Militärrat, den Friedensnobelpreisträger und ehemaligen IAEA-Chef ElBaradei zum neuen Regierungschef zu ernennen. Die Personalie sei mit den Parteien diskutiert worden, sagte ein Gesprächsteilnehmer der Nachrichtenagentur AFP. Demnach stand auch der frühere Muslimbruder Abdel Monem Abul Fotuh für das Amt zur Debatte.

Der italienische Außenminister Giulio Terzi rief indes zu einem sofortigen Ende der Gewalt in Ägypten auf. Er sei über die Situation in den vergangenen Tagen sehr beunruhigt, hieß es in einer Mitteilung seines Ministeriums. Die derzeitige Führung des Landes müsse „die Menschenrechte und die berechtigten demokratischen Erwartungen des ägyptischen Volks achten“.

Der Chef des Büros der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo, Andreas Jacobs, kritisierte im Deutschlandradio Kultur, der ägyptischen Opposition sei es nicht gelungen, „die Dynamik der Ereignisse vom Anfang des Jahres in eine politische Agenda“ zu überführen. „Es war das Versäumnis der Opposition, dass sie es nicht geschafft hat, die Reihen zu schließen“, sagte er.

( AFP/cb )

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