Französisches AKW

Neuer Zwischenfall im Skandal-Meiler Fessenheim

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Foto: dpa / dpa/DPA

Im elsässischen Atomkraftwerk Fessenheim hat es erneut eine Panne gegeben. Behörden nahmen einen Reaktor vom Netz. Der Krisen-Meiler liegt direkt an der deutschen Grenze.

Das umstrittene französische Atomkraftwerk Fessenheim leidet unter technischen Problemen. Erneut musste ein Reaktor des an der deutschen Grenze gelegenen Meilers stillgelegt worden.

Wie der französische Energiekonzern EDF am Dienstag mitteilte, wurde der Reaktor 1 bereits am vergangenen Sonntag vom Netz genommen, weil es Probleme mit den Dampf-Rohren gegeben habe.

Dabei war genau dieser Reaktor erst am 6. November wieder hoch gefahren worden, nachdem ihn die französische Atomaufsichtsbehörde ASN vorübergehend außer Betrieb genommen hatte. Der erneute Vorfall wird den Streit um das seit 35 Jahren laufende Atomkraftwerk weiter anheizen.

Nur zwei Kilometer von Deutschland entfernt

Fessenheim befindet sich nur zwei Kilometer von Deutschland entfernt und ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs. Arbeiten Frankreich und Deutschland in den Fragen der Castor-Transporte wie in dieser Woche eng zusammen, zeigt Fessenheim den Riss in der Energiepolitik.

Auf der einen Seite steht der Ausstiegsbeschluss aus der Atomenergie der deutschen Bundesregierung, auf der anderen Seite will Frankreich selbst an seinem störanfälligsten Kraftwerk weiter festhalten.

Fessenheims Zukunft hängt auch von den französischen Präsidentschaftswahlen im April 2012 ab. Die oppositionellen Grünen und Sozialisten wollen Fessenheim bei einem Sieg sofort abschalten. Für Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy ist die Atomkraft hingegen unverzichtbar für das Überleben des Landes.

„Wer diese Energie aufgeben oder reduzieren will, wird unserer Wirtschaft extrem schaden“, sagte Sarkozy erst am vergangenen Wochenende. „Wer Atomkraftwerke schließen will, gefährdet die Zukunft unserer Kinder“, erklärte der französische Präsident in einer pathetischen Ansprache.

Jahrelanger Kampf gegen Fessenheim

Deutsche Anti-Atom-Aktivisten kämpfen schon seit Jahrzehnten gegen das Atomkraftwerk Fessenheim, das gegenüber von Freiburg im Breisgau auf der anderen Seite des Rheins liegt.

Erst Mitte November protestierten rund fünfhundert Landwirte, Winzer und Umweltschützer gegen „die Bedrohung in der Nachbarschaft“, im vergangenen Sommer gingen 7000 Personen auf die Straße. Bislang ohne Erfolg: Erst in diesem Juni hat die französische Atomaufsichtsbehörde ASN grünes Licht für eine längere Laufzeit unter Auflagen gegeben.

Die Betreiber werden aufgefordert, die Bodenplatte zu verstärken und bis zum Ende des Jahres ein neues System zu installieren, um die Kühlung auch in Notfällen zu garantieren.

Die endgültige Entscheidung wird die französische Regierung im Herbst treffen. Bislang aber ist sie immer der staatlichen Aufsichtsbehörde gefolgt.

Nur unzureichend gegen Erdbeben gesichert

Fessenheim gehört mehrheitlich dem staatlich dominierten französischen Energiekonzern EDF, zu 17,5 Prozent der baden-württembergischen EnBW und zu 15 Prozent der Schweiz.

Für eventuelle Erdbeben ist es auch laut der französischen Sicherheitsbehörde ASN nur unzureichend gesichert. Die Pariser Behörde veröffentlichte Ende Juni die Ergebnisse einer monatelangen Untersuchung, die sie schon im Frühjahr 2010 durchführte – ein Jahr vor der Atomkatastrophe von Fukushima. Umweltschützer pochen nun darauf, das Kraftwerk unter den nun strengeren Kriterien zu prüfen.

„Frankreich hat mit Fessenheim das Risiko eines Super-GAUs verlängert“, heißt es aus den Reihen des französische Anti-Atom-Bündnisses „Sortir du Nucléaire“. Die weitere Betriebserlaubnis sei vollkommen inakzeptabel.

„Fessenheim ist nicht nur das älteste, sondern auch das gefährlichste Atomkraftwerk in Frankreich“, sagt Jean-Marie Brom, Aktivist aus Straßburg. Die Zentrale liege in einem Erdbebengebiet und die Abkühlbecken seien völlig ungeschützt.

Eine neue französische Regierung könnte helfen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie die französische Bürgerinitiative für die Bewahrung von Fessenheim und der Rheinebene bemängelten, selbst bei technischen Nachbesserungen sei eine zehnjährige Laufzeitverlängerung nicht akzeptabel.

Anders als in Deutschland hat Frankreich bislang keine Laufzeiten für seine 58 Reaktoren fest gelegt. Alle zehn Jahre überprüft die ASN turnusmäßig die Kraftwerke und gibt dann grünes Licht für ein weiteres Jahrzehnt.

Nach dem japanischen Atomunglück müssen die französischen Kraftwerke nun erstmalig den europäischen Stresstest bestehen.

Bislang spricht sich die französische Regierung unter Nicolas Sarkozy weiterhin uneingeschränkt für die nukleare Energie aus. Nur eine neue Regierung könnte das Aus von Fessenheim besiegeln.

( dapd/pku )

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