Sicherheitskräfte sollen Chaos stiften

Syrer fürchten Militäroperation "Jüngstes Gericht"

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Foto: dpa / dpa/DPA

Es scheint paradox: Einerseits hofft die syrische Opposition, dass die Arabische Liga und die Vereinten Nationen mehr Druck auf Assad ausüben. Doch anderseits wächst die Angst davor, dass das Regime in Damaskus dann noch brutaler zuschlagen wird. Die offenbar geplante Operation "Jüngstes Gericht" droht die Situation zusätzlich zu verschärfen.

Die syrischen Regierungstruppen sollen sich nach Informationen der Protestbewegung auf eine landesweite Operation mit dem Codenamen „Jüngstes Gericht“ vorbereiten. Der Plan sehe vor, dass die Sicherheitskräfte Chaos stiften und Attentate verüben, um dann mit aller Härte gegen die Regimegegner vorzugehen, sagte ein Sprecher der Protestbewegung in einem Telefoninterview. Dieses Szenario werde in Gang gesetzt, falls es demnächst eine Syrien-Resolution des Weltsicherheitsrates geben sollte.

Auch der Granatenangriff auf ein Gebäude der regierenden Baath-Partei am vergangenen Wochenende gehe nicht auf das Konto der Regimegegner, betonte der Sprecher: „Entweder steckt das Regime selbst dahinter, oder es war ein Racheakt eines Einzelnen.“ Die Deserteure der Freien Syrischen Armee hätten nichts damit zu tun gehabt.

Die Arabische Liga hatte Syrien mit Wirtschaftssanktionen gedroht, sollte Präsident Baschar al-Assad nicht bereit sein, 500 arabische Beobachter ins Land zu lassen. Damaskus hatte daraufhin so viele Änderungen an dem Protokoll der Liga für den Einsatz der Beobachter gefordert, dass die Liga erklärte, sie deute die Antwort der Regierung als „Nein“. Am Donnerstag will die Liga in Kairo über ihr weiteres Vorgehen beraten. Aus Damaskus verlautete unterdessen, die Regierung habe das Protokoll als Beleidigung verstanden, da es die Souveränität der staatlichen Institutionen des Landes verletzt habe.

Zwischen Damaskus und Ankara verschärfte sich der Ton. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte nach Angaben türkischer Medien am Montag bei einer Konferenz in Istanbul, Assads Tage seien gezählt, auch wenn er versuche, sich mit dem Einsatz des Militärs an der Macht zu halten. „Der Tag wird kommen, an dem auch Du gehen wirst“, wurde Erdogan zitiert. In Syrien schossen Unbekannte auf einen Reisebus, der türkische Mekka-Pilger zurück in die Heimat brachte. Türkische Medien meldeten, ein Busfahrer und ein Fahrgast seien verletzt worden.

Die syrische Protestbewegung rief für diesen Dienstag zu einer Protestaktion unter dem Motto „Freiheit für Jaman al-Kadri auf. Nach Angaben von Regimegegnern handelt es sich dabei um eine Studentin der

Zahnmedizin, die wegen ihrer Teilnahme an Studentenprotesten inhaftiert worden war. Am Montag sollen in Homs vier Menschen getötet worden sein. Berichte aus Syrien lassen sich wegen der Medienblockade meist nicht überprüfen. Seit Beginn der Proteste gegen Assad im März sollen in Syrien zwischen 3500 und 4000 Menschen getötet worden sein.

( AFP/dpa/nbo )

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