Deutliche Mehrheit für Johnson-Sirleaf

Gewalt überschattet Stichwahl in Liberia

Die amtierende liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf ist erneut als Siegerin aus den Präsidentschaftswahlen hervorgegangen. Die Wahlen gelten als Test für die fragile Demokratie in dem westafrikanischen Staat. Im Vorfeld war bei einer Schießerei mindestens ein Mann ums Leben gekommen

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Bei der Stichwahl zum Präsidentenamt in Liberia hat Amtsinhaberin Ellen Johnson-Sirleaf eine klare Stimmenmehrheit erhalten. Nach Auszählung von 86 Prozent der Wahllokale lag Johnson-Sirleaf am Donnerstagabend mit mehr als 90 Prozent der Stimmen klar vor ihrem Herausforderer Winston Tubman, der in letzter Minute zu einem Boykott der Stichwahl aufgerufen hatte. Der Wahlkommission zufolge ging nur ein Drittel der Stimmberechtigten am Dienstag wählen, halb so viele wie in der ersten Runde. Unklar war, ob die Nichtwähler Tubmans Boykottaufruf folgten oder Angst vor Unruhen hatten.

Sirleaf, die dieses Jahr den Friedensnobelpreis erhält, kam nach Auswertung der Ergebnisse aus den meisten Wahllokalen auf 90,8 Prozent der Stimmen. Trotz seines Rückzugs hatte bei dem Urnengang vom Dienstag Tubmans Name auf den Stimmzetteln gestanden. Er kam auf 9,2 Prozent. Während die Wähler in der ersten Runde Schlange gestanden hatten, war die Wahlbeteiligung im zweiten Durchgang mit nur 37,4 Prozent sehr niedrig.

Am Tag vor der Wahl war bei einer Schießerei in der Hauptstadt Monrovia mindestens ein Mann ums Leben gekommen. Die Polizei hatte unter ungeklärten Umständen das Feuer auf eine Demonstration von Oppositionsanhängern eröffnet. Johnson-Sirleaf sagte eine vollständige Aufklärung zu. Nur Stunden vor Öffnung der Wahllokale besetzte die Polizei zudem zwei oppositionsnahe Radiosender, die daraufhin den Sendebetrieb einstellen mussten.

Unklar ist bislang, wie Johnson-Sirleaf regieren will. Im Parlament hat ihre Einheitspartei keine eigene Mehrheit. Ein Angebot zu einer Regierungsbeteiligung lehnte Tubman bereits ab. Er wirft der Wahlkommission Manipulationen vor.

Die Wahl galt als Test für die fragile Demokratie in dem westafrikanischen Staat. Seit dem Ende eines 14-jährigen Bürgerkriegs im Jahr 2003 hwar es das erste Mal, dass der liberianische Staat die Wahlen alleine organisiert hat. Internationale Wahlbeobachter nannten die Wahlen frei und fair.

Johnson-Sirleaf, die in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis geehrt wird, ist im eigenen Land umstritten. Kritiker werfen ihr vor, nicht genug gegen Armut und Arbeitslosigkeit im Land getan zu haben. Außerdem werden ihr Kontakte zu dem ehemaligen Rebellenchef und liberianischen Präsidenten Charles Taylor vorgeworfen, der wegen Kriegsverbrechen in Sierra Leone in Den Haag vor Gericht steht. Im Bürgerkrieg (1989-2003) starben in Liberia rund 200.000 Menschen. Das Land hat heute etwa vier Millionen Einwohner.

Die USA haben eine Anerkennung des Wahlergebnisses der umstrittenen Präsidentenwahl in Liberia gefordert. Die Liberianer „aller politischen Richtungen“ sollten das Ergebnis „friedlich akzeptieren“, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums am Donnerstag. Amtsinhaberin Ellen Johnson Sirleaf hatte die Präsidentschaftswahl in der zweiten Runde erwartungsgemäß gewonnen, nachdem ihr Herausforderer Winston Tubman ihr in der ersten Runde Wahlbetrug vorgeworfen, seine Kandidatur zurückgezogen und zu einem Boykott der Wahlen aufgerufen hatte. Der US-Außenamtssprecher sagte dazu, die USA seien über die Entscheidung Tubmans „enttäuscht“.