IAEA-Bericht

Iran streitet Arbeit an einer Atombombe erneut ab

Der Iran hat nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA an der Entwicklung einer Atombombe gearbeitet. Diese Arbeiten gab es zumindest bis zum vergangenen Jahr. Die Erkenntnisse verschärfen die Lage im Nahen Osten. Doch der Iran streitet weiterhin alles ab.

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Zeige die Islamische Republik nach den neuen Hinweisen auf die Entwicklung von Atomwaffen kein Entgegenkommen, müsse laut Außenminister Westerwelle über eine Verschärfung der Sanktionen beraten werden. Militärische Optionen lehnte der

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Der Iran hat nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde am Aufbau einer Atombombe gearbeitet. Entsprechende Forschungen könnten auch weiterhin unternommen werden, hieß es im jüngsten IAEA-Bericht zum Atomprogramm der Islamischen Republik, der am Dienstag vorlag. Die Erkenntnisse dürften die Spannungen im Nahen Osten verschärfen. Medienberichten zufolge gibt es in Israel Pläne für einen Militäreinsatz gegen iranische Atomanlagen.

Der Iran hat inzwischen den Bericht als „politisch motiviert, unausgewogen und unprofessionell“ zurückgewiesen. Das erklärte der iranische Vertreter bei der IAEA, Ali-Asgar Soltanieh, der iranischen Nachrichtenagentur Fars. „Die internationale Gemeinschaft wird diesen Bericht ebenfalls als politisch motiviert auffassen“, sagte Soltanieh. „Dieser Bericht ist gegen die UN-Normen und hat das Ansehen der IAEA beschädigt“.

Im Bericht werden Hinweise auf gezielte und verdeckte Bemühungen aufgeführt, um die Fähigkeit zum Bau von Atombomben zu erlangen. Quelle für die Einschätzungen sind nach Angaben der Wiener UN-Behörde „vertrauenswürdige Informationen“, etwa aus Mitgliedsstaaten. Die waffen-relevanten Arbeiten seien Teil eines „strukturierten Programms“ bis 2003 gewesen.

Den Erkenntnissen der IAEA zufolge hat der Iran bei seinen Arbeiten an Atomwaffen auch Komponenten getestet. Unter anderem seien Experimente mit starkem Sprengstoff ein wesentliches Indiz für diese Waffenentwicklungen. Besonders beunruhigt sei die IAEA über Studien zu atomaren Bauteilen aus den Jahren 2008 und 2009.

Die USA und ihre Verbündeten dürften nach Vorlage des Berichts auf härtere Sanktionen gegen den fünftgrößten Öl-Exporteur der Welt drängen. Möglich seien diese etwa gegen Geschäftsbanken, unwahrscheinlich dagegen ein Vorgehen gegen den Öl- und Gassektor sowie die Zentralbank, sagte ein US-Regierungsvertreter.

Israels Oppositionsführerin Zipi Livni zeigte sich alarmiert. „Jetzt, wo die Wahrheit vor den Augen der Welt aufgedeckt wurde, muss Israel die freie Welt mobilisieren, um den Iran zu stoppen.“ In israelischen Medienberichten war über einen möglichen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen spekuliert worden, sollte es neue Hinweise auf ein Atomwaffenprogramm geben. Offiziell reagierte Israel zunächst nicht auf den IAEA-Bericht. Mark Regev, ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, sagte am Dienstagabend, es werde keine „automatische Reaktion“ geben. Israel müsse den Bericht erst studieren.

Umgehend wurden Warnungen vor einem Militärschlag laut: Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, drängt im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ auf ein internationales Nein zu einem militärischen Eingreifen: „Die Möglichkeiten, den Sanktionsdruck auf Teheran weiter zu erhöhen, sind noch lange nicht ausgeschöpft“.

In einem Anhang fassen die Nuklearwächter alle ihnen vorliegenden Informationen zu Tests, Projekten und der Organisation eines möglichen geheimen iranischen Atomwaffenprogramms zusammen. Dieses Programm könnte noch andauern, heißt es. „Die Informationen weisen darauf hin, dass der Iran Arbeiten zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers durchgeführt hat“, schreibt IAEA-Chef Yukiya Amano.

Russland kritisierte den Bericht als hinderlich für einen Dialog mit der Regierung in Teheran. Dadurch würden die Chancen für eine diplomatische Lösung zunichte gemacht, erklärte das Außenministerium.

Die Islamische Republik streitet ab, an Atomwaffen zu arbeiten, lehnt jedoch internationale Kontrollen ihrer Atomanlagen ab. In Israel wird diese Entwicklung als Bedrohung gesehen, da der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad dem jüdischen Staat wiederholt das Existenzrecht abgesprochen hat. Russland, Frankreich und Deutschland warnen eindringlich vor den Folgen eines Militärschlags gegen den Iran.

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