Nukleare Waffen

IAEA-Bericht – Iran arbeitete an Atombombe

Klare Worte von den Atomwächtern: Laut Bericht der IAEA hat der Iran an einer Atombombe gearbeitet. Die USA drohen Teheran mit weiteren Sanktionen.

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Viel deutlicher hätte das Urteil nicht ausfallen können: „Die Behörde hat ernsthafte Befürchtungen wegen der möglichen militärischen Dimensionen des iranischen Nuklearprogramms“, ist in dem am Dienstagabend veröffentlichen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zu lesen.

Den endgültigen Beweise dafür, dass die Regierung in Teheran trotz gegenteiliger Bekundungen seit Jahren den Bau von Atomwaffen vorzubereiten, bleibt auch der jüngste Bericht schuldig. Damit war auch kaum zu rechnen – macht der Iran den Inspektoren der IAEA die Arbeit im Land doch seit langem fast unmöglich. Doch so selbstsicher wie in diesem Bericht hatte sich die Behörde in Wien wohl noch nie gegeben.

Der Direktor der Behörde, Yukiya Amano, spricht in dem Dokument von „mehr als tausend Seiten“, die seine Behörde untersucht habe. Die IAEA habe von zehn verschiedenen Staaten Geheimdienstinformationen bekommen. Nach „sorgfältiger und kritischer Prüfung“ der verfügbaren Informationen halte die Behörde die Indizien im Großen und Ganzen für glaubwürdig, ist dort zu lesen.

Die Indizien wiesen darauf hin, dass der Iran „Aktivitäten, die für die Entwicklung eines Nuklearsprengkopfes relevant sind“, durchgeführt habe. Bis 2003 habe der Iran demnach gezielt an der Produktion von Atomwaffen gearbeitet. Einige der Forschungsprogramme seien damals eingestellt worden, anderen könnten laut Einschätzung der Behörde bis heute weiterlaufen.

„Besonders beunruhigend“ seien laut IAEA detaillierte Computermodelle von atomaren Explosionen aus den Jahren 2008 und 2009. Der Behörde sei „unklar“, wie solche Studien zu einem anderen Zweck als der Entwicklung von Atomwaffen dienen könnten, schreibt die IAEA in dem Bericht. Außerdem habe die Regierung in Teheran versucht, sich die für den Bau einer Waffe notwendigen Bauteile auf verschiedenem Weg zu beschaffen.

Auch Informationen über die Entwicklung von Atomwaffen habe sich das Regime über ein geheimes Netzwerk beschafft. Schon vorher war bekannt gewesen, dass der Iran geheime Anreicherungsstätten für nukleares Material unterhielt. Der Behörde lägen auch Hinweise auf Experimente mit atomaren Zündvorrichtungen vor.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad bezeichnete den Generaldirektor der UN-Atomenergiebehörde IAEA als Handlanger der USA. Yukiya Amano habe keine eigene Macht und verstoße gegen die Regeln der IAEA, sagte der Präsident laut einem Bericht des iranischen Staatsfernsehens vom Dienstag.

Amano veröffentliche Papiere, die ihm von Amerikanern vorgelegt würden, erklärte Ahmadinedschad mit Bezug auf einen IAEA-Bericht über Nuklearaktivitäten des Iran. Die USA verfügten selbst über 5000 Atomsprengköpfe und würden dem Iran „unverschämterweise“ vorwerfen, eine Atombombe zu bauen, sagte Ahmadinedschad laut einem Bericht des iranischen Staatsfernsehens.

„Aber sie sollten wissen, dass wir keine Atombombe brauchen, um die Hand abzuschneiden, die sie der Welt entgegenstrecken“, sagte der Präsident. „Wenn die USA das iranische Volk herausfordern wollen, werden sie unsere Antwort bereuen.“ Ahmadinedschad bekräftigte, sein Land sei nicht mit dem Bau einer Atombombe beschäftigt.

Die USA haben unterdessen weitere Sanktionen gegen Teheran angedroht. „Wir werden den Druck aller Voraussicht nach verstärken“, sagte ein ranghoher US-Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, in Washington. „Wir schließen nichts aus, wenn es um Sanktionen geht“, ergänzte er. Maßnahmen sollten aber mit anderen Staaten abgesprochen werden.