Papandreou-Nachfolge

Papademos neuer Ministerpräsident Griechenlands

Der als Favorit für die Nachfolge von Premier Papandreou gehandelte Lucas Papademos wird neuer Ministerpräsident in Griechenland. Wie der politische Neuanfang mit dem ehemaligen EZB-Vizepräsident aussehen wird, ist jedoch noch offen.

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Lucas Papademos wird nach Medienberichten neuer Ministerpräsident in Griechenland. Auch ein Funktionär der Sozialisten sagte dies am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Bereits zuvor verdichteten sich die Anzeichen, dass die Bildung einer neuen Übergangsregierung am Dienstag bekannt gegeben werden könnte. Nach Angaben von Regierungssprecher Elias Mosialos verliefen die Gespräche zwischen dem scheidenden sozialistischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou und dem konservative Oppositionsführer Antonis Samaras positiv.

Vor allem in der Frage, wer das neue Kabinett anführen soll, hätten beide Seiten eine „positive Annäherung“ erzielt, sagte er am Montagabend. Der staatliche Fernsehsender NET hatte zuvor allerdings bereits von einer Einigung berichtet. Um 11 Uhr (MEZ) soll am Dienstag eine Kabinettssitzung stattfinden.

Der ehemalige Vizepräsident Europäischen Zentralbank (EZB) Lucas Papademos wurde zuvor bereits als Favorit gehandelt worden. Allerdings brachten die griechischen Medien am Abend zwei neue Kandidaten ins Gespräch – den Vertreter Griechenlands beim Internationalen Währungsfonds (IWF), Panagiotis Roumeliotis, sowie EU-Ombudsmann Nikiforos Diamantouros.

Nach Informationen des Senders NET soll Papademos sein Ja zum unpopulären Posten des Chefs einer Übergangsregierung an eine Reihe von Bedingungen geknüpft haben: Unter anderem habe er eine reines Kabinett aus Technokraten abgelehnt und eine längere Amtszeit für die neue Regierung gefordert.

Samaras aber lehnte bislang eine Beteiligung seiner Nea Dimokratia (ND) an einer Übergangsregierung ab, deren Hauptaufgabe es sein wird, die Ende Oktober auf dem Brüsseler Gipfel beschlossenen Sparziele für Griechenland umzusetzen. Laut der Online-Ausgabe der Wochenzeitung „To Vima“ wird es darüber am Dienstag „letzte Verhandlungen“ geben.

Der im In- und Ausland hoch angesehene Ökonom war von 1994 und 2002 Chef der griechischen Zentralbank. Dabei gelang es, die vergleichsweise hohe Inflation in Griechenland in den Griff zu bekommen. 2002 wurde er Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), aus dem er Ende 2010 turnusgemäß ausschied.