Hilferuf

Griechischer Unternehmer schreibt den Deutschen

Emmanouel Kastanakis war erfolgreich, doch dann kam die Krise. Die Banken vergaben keine Kredite mehr – jetzt steht die Wirtschaft still. Ein Hilferuf.

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Mit der Schuldenkrise ging ein dramatischer Absturz der griechischen Wirtschaft einher. Heute sind rund 20 Prozent der Griechen erwerbslos. Bei den jungen Leuten unter 25 Jahren ist die Zahl noch erschreckender. Bis zum ersten Quartal dieses Jahres registrierte „Eurostat“ 38,5 Prozent junge Griechen ohne Arbeit. Damit ist fast die Hälfte einer Generation ohne Perspektive.

Und die Ankündigung einer Volksabstimmung über den von den Staats- und Regierungschefs der Eurozone vereinbarten Schuldenschnitt belastet die Wirtschaft zusätzlich.

Nur mit Mühe halten sich die mittelständischen Unternehmen über Wasser. Ihre Auftragsbücher sind leer, die Banken verweigern ihnen Geld für Investitionen. Einer dieser Unternehmer ist Emmanouel Kastanakis. In einem offenen Brief an „Morgenpost Online“ schildert er die Lage:

„Die griechischen Banken, haben, wie alle anderen europäischen Finanzinstitute auch, die Kredite an die griechischen Unternehmen kürzt und in einigen Fällen ganz eingestellt. Sie begründen dies mit dem hohen Ausfallrisiko. Auf diese Weise kam die Realwirtschaft vollständig zum Erliegen.“

Kastanakis beschäftigte vor der Krise 130 Angestellte, machte 20 Millionen Euro Jahresumsatz und stand kurz vor dem Börsengang. Er vertraute den Versprechen von Politik und Finanzwirtschaft. Jetzt kämpft auch er ums Überleben. „Da wir unter Gläubigerschutz stehen, arbeiten wir noch“, schreibt er.

Stillstand durch fehlendes Umlaufkapital

Kastanakis betreibt ein Unternehmen für erneuerbare Energien, es produziert Solarkollektoren und Photovoltaikmodule. „Da aber auch hier das Umlaufkapital fehlt, kommen wir nicht weiter. Es gibt mehrere Gespräche mit den Banken aber auch mit dem Ministerium für Entwicklung, und wir warten auf einen sonnigen Tag!“, beschreibt Kastanakis den griechischen Geschäftsalltag.

Der Unternehmer aus Thessaloniki war bis vor kurzem Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Griechischen Solarindustrien und ist noch immer Vorstandsmitglied der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer. In diesen Funktionen schlug er in einer öffentlichen Rede die Verlagerung des Desertec-Projektes von Nordafrika nach Griechenland vor.

"Seit damals sprach ich mit mehreren Entscheidungsträgern in Deutschland aber auch in Griechenland darüber. Offiziell informierte ich über die Deutsch-Griechische Industrie und Handelskammer die zuständigen Stellen. Mit Erfolg. So wurde das Desertec-Projekt zum Helios-Projekt umbenannt", schreibt er. Inzwischen sei das Projekt sogar von der Gipfelkonferenz am 26. Oktober beschlossen worden. Aber bis zu seiner Verwirklichung könnten noch Jahre vergehen.

„Leider müssen wir auf die positiven Auswirkungen dieses Projektes wohl noch lange warten. Das ist bei dem Besuch Ihres Wirtschaftsminister, Herrn Philipp Rösler, in Griechenland und seinen Gesprächen mit unserem Minister für Entwicklung, Herrn Michalis Chrisohoidis, deutlich geworden“, schreibt Kastanakis.

Es gibt Netzanschlussprobleme für den Energietransport von Griechenland nach Deutschland. Außerdem solle nach Angaben der Minister die Europäische Investitionsbank das Vorhaben unterstützen. Kastanakis: „Das dauert alles viel zu lange!“

Das Projekt würde die griechische Wirtschaft ankurbeln, da ist er sich sicher. „Die Zusammenarbeit mit entsprechenden deutschen Unternehmen der Photovoltaikbranche würde auch unser Unternehmen ankurbeln. Die Frage ist nur: Wann?“, so Kastanakis.

Vermutlich kann diese Frage derzeit niemand beantworten. Sicher ist allerdings ein schmerzhafter Schritt für die griechischen Rentner in der Folge des auf dem EU-Gipfel beschlossenen Schuldenerlasses. Da die griechischen Pensionsfonds für rund 35 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen halten, müssen sie 17,5 Milliarden Euro abschreiben. Oder anders ausgedrückt: Die Rentner können einen Teil ihrer Altersversorgung in den Wind schreiben.