Fund in der libyschen Wüste

Geheimes Chemiewaffen-Arsenal in Gaddafi-Bunkern

In der Wüste nahe der Stadt Sirte lagern in 80 Bunkern chemische Waffen. Auch Raketen liegen herrenlos herum. Einige sollen schon nach Gaza geschmuggelt worden sein.

In der Wüste in der Nähe der Stadt Sirte haben libysche Truppen chemische Massenvernichtungswaffen gefunden. Das berichtet die britische Zeitung "Daily Mail" . Der Nationale Übergangsrat habe bekanntgegeben, die Waffen seien in 80 Bunkern etwa 100 Kilometer südlich von Sirte gelagert gewesen. Ein Sprecher des Übergangsrates sagte dem Bericht zufolge, die Waffen stammten aus der Gaddafi-Ära.

Der ehemalige libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi hatte Ende 2003 erklärt, auf Massenvernichtungswaffen verzichten zu wollen. Das bekräftigte er 2004 gegenüber dem damaligen britischen Premier Tony Blair, der ihn in einem Zelt in der Wüste besucht – der sogenannte "Deal in the desert" (Vereinbarung in der Wüste).

Gaddafi versuchte damals, sein Land aus der Isolation herauszuholen und Kontakte mit dem Westen zu knüpfen. Gegenüber Blair versicherte er, Chemie- und Atom-Waffen aufgeben zu wollen. Libyen und Großbritannien nahmen danach wirtschaftliche Kontakte auf.

Wie "Spiegel Online" und die israelische Zeitung "Haaretz" berichten, hat sich die radikalislamische Hamas im Gaza-Streifen offenbar Boden-Luft-Raketen aus libyschen Beständen verschafft. Die modernen russischen Fabrikate sollen in den vergangenen Monaten in den Gaza-Streifen geschmuggelt worden sein.

In der Wüste südlich von Sirte lagerten zehntausende Tonnen Munition unbeaufsichtigt. Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" erklärte, die Bunker seien für jeden zugänglich. In einem Vorort von Sirte seien ihre Inspektoren auf die leeren Behälter von 28 Raketen vom Typ SA-24 gestoßen. Raketen solcher Bauart könnten in den Gaza-Streifen gelangt sein.

Laut "Haaretz" fliegt die israelische Luftwaffe bereits Einsätze über dem Gaza-Streifen.

Unterdessen hat der UN-Sicherheitsrat einstimmig für das Ende des Nato-Einsatzes in Libyen gestimmt. Das Mandat zum Schutz der Zivilbevölkerung endet am 31. Oktober um 23.59 Uhr. Auch das Flugverbot über Libyen wird zu diesem Zeitpunkt aufgehoben.