Bombardement

Gaddafis Familie will gegen Nato klagen

Die Familie des getöteten Ex-Diktators plant eine Klage gegen die Nato. Die Rebellen waren einem libyschen Diplomaten zufolge nicht schuld am Tod Gaddafis.

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Die Familie des getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi will vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag gegen die Nato klagen. Grund sei die Verwicklung des Militärbündnisses in den Tod Gaddafis, sagte der französische Anwalt der Familie, Marcel Ceccaldi.

Der Angriff der Nato auf den Konvoi des fliehenden Gaddafi habe direkt zu dessen Tod geführt. Die „absichtliche Tötung“ sei nach den Statuten des Strafgerichtshofs ein Kriegsverbrechen, hob er hervor. Wann die Klage genau eingereicht werden solle, konnte der Anwalt noch nicht sagen.

Die vorläufige Untersuchung der Todesumstände Gaddafis hat hingegen nach Angaben eines UN-Diplomaten des Nationalen Übergangsrats keinen Hinweis darauf ergeben, dass er nach seiner Gefangennahme erschossen wurde.

Verblutet oder erschossen?

Libyens stellvertretender UN-Botschafter Ibrahim Dabbashi sagte vor dem UN-Sicherheitsrat, vorliegenden Informationen zufolge sei Gaddafi bei Schusswechseln zwischen seinen Anhängern und denen des Nationalen Übergangsrats in Sirte verwundet worden.

Er blutete demnach am Unterleib und am Kopf und starb bei seiner Ankunft im Krankenhaus in Misrata. Keiner der „Revolutionäre“ habe nach Gaddafis Gefangennahme auf ihn gefeuert.

Bei dem Treffen des Sicherheitsrats zu Libyen ging es um Fragen der Menschenrechte und um Zweifel an der Version des Übergangsrats über Gaddafis Tod. Andere Berichte und Videoaufnahmen deuten auf einen Lynchmord nach seiner Gefangennahme hin.

Als Reaktion auf internationale Forderungen nach einer Untersuchung der genauen Todesumstände richtete die neue libysche Führung eine entsprechende Kommission ein. Deren Ergebnisse würden nach Abschluss ihrer Arbeit veröffentlicht, sagte Dabbashi. Sollten die Rechte Gaddafis oder anderer verletzt worden sein, würden die Verantwortlichen bestraft.

Gaddafi starb in seiner Geburtsstadt

Gaddafi war nach Angaben des libyschen Übergangsrats in der Nacht zu Dienstag an einem geheimen Ort bestattet worden. Am vergangenen Donnerstag wurde er in seiner Geburtsstadt Sirte getötet. Er hatte versucht, aus der Stadt zu flüchten, doch der Konvoi war durch einen Nato-Angriff gestoppt worden.

Die Nato hatte erklärt, sie habe den schwer bewaffneten Konvoi angegriffen, weil dieser sich mit hoher Geschwindigkeit und ohne Rücksicht seinen Weg durch die Vororte von Sirte gebahnt habe.

Von der Anwesenheit Gaddafis habe die Nato zu diesem Zeitpunkt aber nichts gewusst. Gaddafi war danach festgenommen und getötet worden.

Gaddafis Sohn will sich stellen

Ein Sohn Gaddafis, Saif al-Islam, will sich der Übergangsregierung zufolge dem Internationalen Strafgerichtshof stellen. Neben Saif al-Islam Gaddafi wolle sich auch der frühere Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi stellen, sagte ein hochrangiger Vertreter des Militärs des Übergangsrates, Abdel Madschid Mlegta.

Er habe die Informationen von Geheimdienstmitarbeitern, die im gesagt hätten, Saif al-Islam und Senussi arbeiteten an einem Plan, sich zu stellen.

Saif al-Islam ist auf der Flucht und wurde zuletzt in der Wüste an der Grenze zu Niger oder Algerien vermutet. Gegen ihn und Senussi besteht ein internationaler Haftbefehl. Ihnen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworden.

Saif al-Islam wurde lange als Nachfolger Gaddafis aufgebaut. Er ist der letzte von Gaddafis sieben Söhnen, dessen Verbleib unklar ist. Zwei flohen nach Algerien, einer ist in Niger. Zwei starben während der Kämpfe zwischen Gaddafis Anhängern und den Truppen der Übergangsregierung. Motassim wurde vergangene Woche zusammen mit seinem Vater in der Nähe von Sirte getötet.