Militäreinsatz

Türkei setzt Angriffe auf Kurden im Nordirak fort

Nach den Angriffen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK auf einen türkischen Militärposten hat die Türkei mit Bombenangriffen auf vermutete PKK-Lager im Irak reagiert. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnte indes Respekt für die Souveränität und territoriale Integrität des Iraks und der Türkei an.

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Mindestens 26 türkische Soldaten wurden bei einem Kurden-Angriff getötet. Die Armee verfolgt die Angreifer bis in den Nordirak.

Video: Reuters
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Die türkische Luftwaffe hat nach Angaben aus Sicherheitskreisen in der Nacht zu Donnerstag ihre Angriffe auf Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak fortgesetzt. Der militärische Einsatz an der Basis in der südostanatolischen Stadt Diyarbakir sei die gesamte Nacht über sehr intensiv gewesen, verlautete aus örtlichen Sicherheitskreisen. Zahlreiche Kampfjets seien von dort gestartet, um mutmaßliche Stellungen der PKK in den irakischen Bergen zu bombardieren. Teils sei der zivile Verkehr in der Stadt wegen der Einsätze eingeschränkt gewesen.

Kurdische Rebellen hatten am Dienstagabend bei mehreren gleichzeitigen Angriffen auf türkische Militärposten an der Grenze zum Irak nach amtlichen Angaben 26 Soldaten getötet und 18 weitere verletzt. Daraufhin flog die türkische Luftwaffe am Mittwoch unter anderem Angriffe in den Kandil-Bergen, die als Hauptrückzugsgebiet der Rebellen gelten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den blutigen Angriff kurdischer Kämpfer auf die türkische Armee scharf verurteilt. Die Tötung von türkischen Soldaten durch kurdische Rebellen, die von Stützpunkten im Irak aus operieren, ist „inakzeptabel“, sagte Ban am Mittwoch in New York. „Es ist eindeutig inakzeptabel, dass irakisches Territorium genutzt wird, um Angriffe jenseits der Grenze gegen benachbarte Länder zu führen“, so Ban.

Der UN-Generalsekretär mahnte Respekt für die Souveränität und territoriale Integrität des Iraks und der Türkei an. Zugleich rief er beide Länder auf, in einem konstruktiven Dialog eine friedliche Lösung des Konflikts zu suchen.

Beobachtern zufolge erlitt die türkische Armee bei den Attacken die zweitschwersten Verluste, seitdem die PKK 1984 den bewaffneten Kampf gegen die Türkei aufgenommen hatte. Die Türkei, die EU und die USA stufen die PKK als Terrororganisation ein.

Die Kurden sind ein Volk ohne eigenen Staat. Ihr Siedlungsgebiet in Vorderasien ist mit rund 500.000 Quadratkilometern etwa so groß wie Frankreich. Es umfasst Teile der Türkei, des Iraks, des Irans und Syriens mit zusammen mehr als 25 Millionen Menschen. Schätzungsweise 12 Millionen leben in der Türkei – im armen und rückständigen Osten und Südosten, aber auch in Istanbul, Ankara, Izmir und anderen Großstädten. Sie machen etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

In der Türkei kämpft die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (Partiya Karkeren Kurdistan, PKK) seit 1984 mit blutigen Angriffen und Bombenanschlägen für einen eigenen Staat oder zumindest für Autonomie. In dem Konflikt starben bislang rund 40 000 Menschen. Laut Menschenrechtsgruppen wurden zwischenzeitlich rund drei Millionen Menschen vertrieben.

Die Europäische Union stuft die PKK und deren Nachfolgeorganisation Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL) als Terrorvereinigung ein. Im Oktober 2006 rief KONGRA GEL einen „einseitigen Waffenstillstand“ aus. Trotzdem gibt es weiterhin Kämpfe und Anschläge. Immer wieder greift die Türkei die Rückzugslager der PKK im benachbarten Irak an.

Inzwischen gibt es die kurdische Partei für Frieden und Demokratie (BDP), die seit den Wahlen im Juni mit 36 Abgeordneten im Parlament in Ankara vertreten ist. Ihr Überraschungserfolg basiert auf der Enttäuschung der Kurden über unerfüllte Versprechen von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Vielen Initiativen, mit denen die Kurden mehr Rechte erhalten sollten, gingen in den vergangenen Jahren die Luft aus, versprochene Reformen wurden vertagt. Derzeit gibt es Bemühungen um eine Verfassungsreform, die die Kultur und Sprache der Kurden berücksichtigt.