Feuergefecht

Türkei verfolgt Attentäter mit 600 Soldaten

Die Auseinandersetzung zwischen dem türkischen Staat und der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat sich am Mittwoch weiter zugespitzt. Nach der Tötung von mehr als 20 Soldaten durch kurdische Rebellen bombardierten türkische Kampfflugzeuge mutmaßliche Stellungen der PKK im Nordirak.

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Mindestens 26 türkische Soldaten wurden bei einem Kurden-Angriff getötet. Die Armee verfolgt die Angreifer bis in den Nordirak.

Video: Reuters
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Der ungewöhnlich blutige Angriff kurdischer Kämpfer im Südosten der Türkei mit mindestens 26 Toten hat in der Türkei Entsetzen ausgelöst. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan blies eine geplante Reise nach Kasachstan ab und rief das Kernkabinett zu einer Krisensitzung zusammen.

„Die Türkei wird vom Terrorismus nicht erschüttert werden“, sagte Präsident Abdullah Gül. Die Streitkräfte würden die Angreifer „bis zum Ende“ verfolgen. Nach unbestätigten türkischen TV-Berichten verfolgen 600 türkische Soldaten die geflohenen Angreifer auf irakischem Gebiet.

Die kurdisch-nationalistische Partei für Frieden und Demokratie (BDP) verurteilte die PKK-Anschläge mit ungewöhnlicher Schärfe. „Diese Angriffe brechen uns das Herz“, erklärte die Partei. „Wir sagen: Stopp! Es hat schon genug Tote gegeben.“ Die noch junge BDP hatte bei der Wahl im Juni 36 Sitze gewonnen und damit einen Überraschungserfolg errungen.

Parlamentspräsident Cemil Cicek mahnte, die Angriffe dürften die Bemühungen um eine Verfassungsreform noch in dieser Legislaturperiode nicht beeinträchtigen. Die Kurden kritisieren die alte Verfassung, weil sie ihre Sprache und Kultur nicht achte. „Diese traurigen Vorkommnisse werden unsere Arbeit an der neuen Verfassung nicht aufhalten“, sagte Cicek.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die jüngsten Anschläge auf das türkische Militär. „Ich bin bestürzt und erschüttert über die große Zahl von Opfern bei den jüngsten Überfällen auf militärische Einrichtungen in der Türkei nahe der türkisch-irakischen Grenze,“ sagte Westerwelle am Mittwoch in Berlin. Bei Angriffen von Kämpfern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) auf türkische Einheiten im Grenzgebiet zum Irak starben in der Nacht zum Mittwoch 26 Soldaten. Westerwelle forderte die Beteiligten auf, eine weitere Eskalation der Gewalt zu vermeiden. Die Regierungen der Türkei und Iraks sowie die kurdische Regionalregierung müssten in einen Dialog eintreten.

Die Kurden sind ein Volk ohne eigenen Staat. Ihr Siedlungsgebiet in Vorderasien ist mit rund 500.000 Quadratkilometern etwa so groß wie Frankreich. Es umfasst Teile der Türkei, des Iraks, des Irans und Syriens mit zusammen mehr als 25 Millionen Menschen. Schätzungsweise 12 Millionen leben in der Türkei – im armen und rückständigen Osten und Südosten, aber auch in Istanbul, Ankara, Izmir und anderen Großstädten. Sie machen etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

In der Türkei kämpft die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (Partiya Karkeren Kurdistan, PKK) seit 1984 mit blutigen Angriffen und Bombenanschlägen für einen eigenen Staat oder zumindest für Autonomie. In dem Konflikt starben bislang rund 40 000 Menschen. Laut Menschenrechtsgruppen wurden zwischenzeitlich rund drei Millionen Menschen vertrieben.

Die Europäische Union stuft die PKK und deren Nachfolgeorganisation Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL) als Terrorvereinigung ein. Im Oktober 2006 rief KONGRA GEL einen „einseitigen Waffenstillstand“ aus. Trotzdem gibt es weiterhin Kämpfe und Anschläge. Immer wieder greift die Türkei die Rückzugslager der PKK im benachbarten Irak an.

Inzwischen gibt es die kurdische Partei für Frieden und Demokratie (BDP), die seit den Wahlen im Juni mit 36 Abgeordneten im Parlament in Ankara vertreten ist. Ihr Überraschungserfolg basiert auf der Enttäuschung der Kurden über unerfüllte Versprechen von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Vielen Initiativen, mit denen die Kurden mehr Rechte erhalten sollten, gingen in den vergangenen Jahren die Luft aus, versprochene Reformen wurden vertagt. Derzeit gibt es Bemühungen um eine Verfassungsreform, die die Kultur und Sprache der Kurden berücksichtigt.