Mit Gehhilfe im Petersdom

Papst startet mit Rollator ins "Jahr des Glaubens"

Erstmals rollt Papst Benedikt XVI. auf einem Podest durch den Petersdom, sanft angeschoben von seinen Dienern. Der Riesenrollator stammt noch von seinem Vorgänger.

Foto: AFP

Ein „Jahr des Glaubens“ hat Papst Benedikt XVI. im Petersdom für die katholische Weltkirche ausgerufen und er wiederholte die Ankündigung danach noch einmal unter strahlendem Oktoberhimmel beim öffentlichen Angelus-Gebet vor Zehntausenden Pilgern auf dem dicht gefüllten Petersplatz.

Mit diesem „Jahr des Glaubens“ soll – vom 11.Oktober 2012 bis zum 24. November 2013 – an die Eröffnung des II.Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) erinnert werden, das die katholische Kirche im vergangenen Jahrhundert bewegt und geöffnet hat wie kein anderes Ereignis – auch in einer beispiellosen Krise der Kirche, die bis heute anhält.

Jetzt aber war der Anlass dieser Ankündigung ein Kongress in Rom mit etwa 8000 Vertretern aus aller Welt zur Neu-Evangelisierung aller Nationen, die schon einmal christianisiert waren und mittlerweile als fast schon dechristianisiert gelten müssen, wenn dafür die Zahlen an der Teilhabe der sonntäglichen Gottesdienste als Index genommen wer den.

Erstmals seit seinem Amtsantritt hat Papst Benedikt XVI. den Weg von der Sakristei zum Alter der Peterskirche in Rom nicht zu Fuß, sondern auf einem rollenden Podest aus der Zeit seines Vorgängers Johannes Pauls II. zurückgelegt.

Er wurde etwa 100 Meter durch das Mittelschiff zum Altar geschoben und verließ die Kirche so auch wieder. Benedikts Vorgänger hatte die Plattform wegen Gehproblemen erstmals im Dezember 1999 genutzt. An dem Podest sind Stangen angebracht, an denen sich das katholische Kirchenoberhaupt festhalten kann. Päpstlichen Dienern kommt die Aufgabe zu, den Papst sanft anzuschieben.

Die Nutzung des Gefährts solle helfen, Benedikts „Erschöpfung zu mildern“, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Außerdem erhöhe die Plattform die Sicherheit des Papsts. Am Weihnachtsabend des Jahres 2009 war er von einer geistig verwirrten Frau angegriffen worden, als er durch die Peterskirche schritt.

Benedikt fällt das Laufen schwerer

In jüngster Zeit schien Benedikt das Laufen immer schwerer zu fallen. „Es gibt keine Krankheit oder medizinische Notwendigkeit“, betonte Lombardi jedoch.

Vor rund einem Jahr hatte BenediktXVI. in einem päpstlichen Schreiben vom 21.September vergangenen Jahres mit dem lateinischen Titel „Ubicumque et semper“ („an allen Orten und immer“) für dieses bisher unvergleichliche Projekt die Errichtung eines eigenen neuen Ministeriums (Dikasteriums) des Vatikans zur Förderung einer Neu-Evangelisierung der säkularisierten Welt verkündet, dem Erzbischof Rino Fisichella seitdem als Präsident vorsteht. Viele Beobachter halten dieses Vorhaben schon jetzt für das vielleicht bedeutendste Unternehmen im dramatischen Pontifikat des Papstes aus dem Land der Reformation.

Das „Jahr des Glaubens“ aber solle nun nicht nur den ehemals christlichen Nationen, sondern der gesamten Weltkirche neuen Schwung geben, sagte der Papst jetzt – der zuletzt vom Juni 2009 bis zum Juni 2010 ein internationales Priesterjahr ausgerufen hatte (an dessen Ende die Missbrauch-Skandale wie ein Tsunami über die Kirche herein brachen) und von Juni 2008 bis Juni 2009 ein Paulus-Jahr.

Jetzt fügte er am Fenster des Apostolischen Palastes noch an, dass auch Johannes PaulII. die Kirche schon auf die Herausforderung einer dringend notwendigen Neuevangelisierung der alten Völker Europas hingewiesen und zu entsprechenden Initiativen gedrängt habe.

Leidenschaftlicher Anwalt der Neu-Evangelisierung

Sein Vorgänger auf dem Stuhl Petri sei ein überzeugter Missionar der christlichen Frohen Botschaft in aller Welt ebenso sehr gewesen wie ein leidenschaftlicher Anwalt der Neu-Evangelisierung der müde gewordenen Teile der Christenheit. Beide Aspekte gehörten wesentlich zusammen.

Dazu kommt nun ein Aspekt, den Kardinal Kurt Koch vor wenigen Tagen n den Worten zusammenfasste, dass jeder denkbare Prozess einer Neu-Evangelisierung nur als eine ökumenische Prozession der getrennten Christen auf eine zukünftige Einigung in Christus hin vorstellbar sei.

Das jedoch klingt für viele Skeptiker auf allen Seiten im Zeichen drohender neuer Spaltungen der uneinigen Christenheit inzwischen als fast unvorstellbar. Höchste Aufmerksamkeit ist deshalb einem neuen „Apostolischen Schreiben“ des Papstes jetzt schon sicher, in dem er in den kommenden Tagen sein Verständnis einer notwendigen Mission am Anfang des neuen Jahrtausends erläutern wird – nach der Vorgabe der Apostel, die „unmöglich schweigen konnten“ von dem, was sie gesehen, gehört, erlebt und als wahr erfahren hatten.

In diesem Sinn, rief Benedikt XVI. am Sonntag um 12 Uhr noch einmal über den Massen unter ihm auf dem Petersplatz, seien auch „wir gerufen, unseren Glauben in Wort und Tat zu leben und so zu Verkündern des Evangeliums und zu Missionaren im Alltag zu werden“. Dass jeder Versuch einer Wiedereroberung verlorenen Terrains allerdings mit Widerständen rechnen darf, hat er ja schon vor einem Jahr deutlich gemacht.