Jemen

Unruhen nach Tötung von Al-Qaida-Spitzenmann

Erneut dutzende Tote bei blutigen Auseinandersetzungen im Jemen: Regierungstreue Truppen erschossen mindestens 16 Demonstranten.

Foto: dpa / dpa/DPA

Der Jemen kommt nicht zur Ruhe: Während in der Hauptstadt Sanaa Zehntausende gegen die Herrschaft des umstrittenen Präsidenten Ali Abdullah Saleh auf die Straße zogen, übte die Extremistenorganisation al-Qaida Vergeltung für die Tötung eines hochrangigen Mitglieds. Kämpfer der Gruppe sprengten eine Gasleitung des französischen Unternehmens Total in die Luft.

Der bei al-Qaida für Propagandafragen zuständige Ägypter Ibrahim al-Banna starb Berichten zufolge bei einem Luftangriff.

Mindestens 16 Demonstranten erschossen

In Sanaa kam es bei den Protesten zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen jemenitischen Sicherheitskräften und Gegnern der Regierung.

Dabei wurden in Sanaa am Wochenende mindestens 16 Demonstranten erschossen. Eine Frau wurde nach offiziellen Angaben bei Protesten in der südlichen Stadt Tais getötet.

Viele Jemeniten warten mit Spannung auf eine Entscheidung des UN-Sicherheitsrates zu dem vom Golf-Kooperationsrat (GCC) erstellten Plan für einen Machtwechsel in dem Land. Beratungen im Sicherheitsrat sind für Dienstag geplant.

Al-Qaida-Funktionär bei Luftangriff getötet

Nach Angaben des jemenitischen Verteidigungsministeriums wurde al-Banna neben 23 anderen Menschen bei einem Angriff durch jemenitische Militärflugzeuge in der südlichen Provinz Schabwa am Freitagabend getötet.

Neben ihm starben Anwohnern zufolge auch ein Cousin und ein Sohn von Anwar al-Awlaki . Al-Banna habe zu den gefährlichsten Aufständischen gezählt und weit oben auf der Fahndungsliste gestanden.

Anwohner und örtliche Behörden erklärten, sie gingen davon aus, dass die Aktion durch ausländische Streitkräfte erfolgt sei. Es habe mindestens drei Angriffe auf verschiedene Ziele gegeben. Für die USA stellt die Tötung Al-Bannas einen weiteren Schritt im Kampf gegen al-Qaida dar.

Ende September war bereits der Al-Qaida-Funktionär Al-Awlaki bei einem Luftangriff im Jemen ums Leben gekommen. Die Regierung in Washington äußerte sich nicht direkt zu dem Vorfall. Es hieß lediglich, dass die USA weiterhin eng mit Jemens Streitkräften zusammenarbeiteten.

Angriff auf Gas-Pipeline

Die Vergeltung der Al-Qaida ließ nicht lange auf sich warten. Kurz nach dem Luftangriff sprengten Extremisten die Total-Pipeline, über die Gas aus der Maarib-Provinz zum Hafen in Balhaf transportiert wird, wo sich die größte Gasverflüssigungsanlage Jemens befindet. Für die jemenitische Wirtschaft, die seit Monaten unter den Unruhen im Land leidet, ist dies ein schwerer Schlag.

Die Anlage ist das größte Industrieprojekt des Landes. Jemen LNG arbeitet neben Total mit GDF Suez und Korea Gas zusammen. Total flog nach dem Anschlag fast die Hälfte seines ausländischen Personals nach Dschibuti auf der anderen Seite des Roten Meeres aus

Mindestens 17 Tote bei Protesten

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gingen unterdessen die Proteste gegen Präsident Saleh weiter. Zehntausende marschierten am Samstag in Richtung des Regierungsviertels, um gegen den seit 33 Jahren autokratisch regierenden Herrscher zu demonstrieren. Streitkräfte eröffneten das Feuer auf die Menschen.

Nach Angaben von Augenzeugen und Informationen von Krankenhäusern wurden zwölf Menschen getötet und Dutzende verletzt. Auch am Sonntag gingen Sicherheitskräfte auf Demonstranten los. In Sanaa starben vier Jemeniten im Kugelhagel, in der Stadt Tais wurde eine Demonstrantin getötet.

Zudem soll es nach Angaben weiterer Augenzeugen erneut zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Anhängern des mächtigen Stammesführers Sadek al-Ahmar gekommen sein. Dabei seien vier Stammeskämpfer ums Leben gekommen. Ahmar unterstützt die Opposition.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen