Proteste in Syrien

"Gaddafi ist weg, jetzt bist Du dran, Baschar"

Das brutale Ende von Libyens Diktator Gaddafi gibt Syriens Opposition neue Hoffnung auf Wandel. Doch Assads Schergen greifen erneut mit aller Härte durch.

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Inspiriert von den Freudenszenen in Libyen haben sich am Freitag zahlreiche Syrer an Protesten gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad beteiligt.

Nun, nach dem Tod des libyschen Ex-Herrschers Muammar Gaddafi, sei Assad an der Reihe, riefen sie.

Die syrische Regierung ging allerdings erneut mit aller Härte gegen die Demonstranten vor. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten schossen Regierungstruppen in mehreren Orten auf Demonstranten. Dabei seien 24 Menschen ums Leben gekommen, die meisten in Homs, hieß es.

„Gaddafi ist weg, jetzt kommst du dran, Baschar“, skandierten Demonstranten in der Stadt Hama, einer der Hochburgen des Widerstands in Syrien. Allerdings haben die Proteste der vergangenen sieben Monate die Macht der Regierung Assad nicht sichtbar erschüttern können. Der Sieg der Rebellen in Libyen scheint der syrischen Opposition neue Kraft gegeben zu haben.

Demonstranten prophezeien Assad Schicksal wie Gaddafi

Auf Schildern aufgemalt, prophezeiten die Demonstranten Assad ein ähnliches Schicksal wie den übrigen Herrschern, die im Zuge des arabischen Frühlings entmachtet wurden. „Ben Ali floh, Mubarak ist im Gefängnis, Gaddafi ist tot, Assad ....?“, stand auf einem der Transparente.

In der Stadt Homs wurden bei dem Vorgehen der Regimekräfte gegen die protestierende Bevölkerung laut Angaben der Örtlichen Koordinierungskomitees, die die Demonstrationen mitorganisieren und Menschenrechtsverletzungen dokumentieren, am Freitag 19 Menschen getötet.

Drei weitere Personen seien in Hama ums Leben gekommen und auch in der nordsyrischen Provinz Idlib sowie in Sakba, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus habe es je ein Todesopfer gegeben, teilten sie mit.

In Homs sterben 15 Menschen

Nach Angaben des in Großbritannien ansässigen Syrischen Observatoriums für Menschenrechte kamen am Freitag in Homs mindestens 15 Menschen ums Leben. Die Organisation berichtete außerdem von heftigen Kämpfen zwischen Regierungseinheiten und mutmaßlichen Deserteuren in Sakba.

In der Stadt Kusair in der Nähe der Grenze zum Libanon schlossen Sicherheitskräfte alle Moscheen, um die Menschen daran zu hindern, sich zu versammeln.

Viele der wöchentlichen Proteste beginnen üblicherweise nach den Freitagsgebeten in den Moscheen. „Gaddafis Tod wird der Moral der Syrer Auftrieb verleihen“, sagte der Aktivist Mustafa Osso telefonisch der Nachrichtenagentur AP. „Er wird dafür sorgen, dass sie weitermachen, bis sie das Regime stürzen.“