Baskische Untergrundorganisation

Spanien hofft auf Ende des Eta-Terrors

Die Eta will den Terror aufgeben. Das Ende der Gewalt löst in Spanien Erleichterung aus. Allerdings bleiben auch Zweifel. Die baskische Untergrundorganisation will sich nämlich nicht auflösen und auch die Waffen nicht abgeben.

Foto: Reuters / Reuters/REUTERS

Spanien atmet auf. Die Zeit des Eta-Terrors scheint vorüber zu sein. 43 Jahre nach ihrem ersten Attentat streckt die baskische Untergrundorganisation die Waffen und kündigt an, auf Terror und Gewalt definitiv zu verzichten. Die Erklärung löste in Spanien Erleichterung, aber keinen Jubel aus. Viele Spanier fragen sich: Wer garantiert, dass die Eta ihr Versprechen hält und nicht eines Tages doch wieder zu den Waffen greift?

Die Separatistenorganisation hatte in den vergangenen Jahrzehnten schon so manchen Gewaltverzicht erklärt, dann aber doch wieder Bomben gelegt. Auch das Szenario der jetzigen Ankündigung eines Endes des Terrors unterschied sich kaum von der Art und Weise, in der die Eta früher ihre Mitteilungen unter die Leute gebracht hatte: Ein Video zeigt drei schwarzgekleidete Gestalten, die ihre Gesichter mit weißen Tüchern vermummt haben und schwarze Baskenmützen auf dem Kopf tagen. Einer der Eta-Aktivisten verliest das – von der Eta als „historisch“ eingestufte – Kommuniqué.

„Die Demokratie hat gewonnen“, sagte Regierungssprecher José Blanco am Freitag in Madrid. Konservative Kreise zeigten sich dagegen skeptisch und verlangten eine Auflösung der Eta.

Die jetzt angekündigte Abkehr von der Strategie des Terrors ist allerdings auch völlig verschieden von den „Waffenruhen“ der Vergangenheit. Zum einen verkündete die Eta erstmals ein „definitives Ende“ des Terrors. Zum anderen ist sie durch eine Serie von Festnahmen so geschwächt, dass sie zu einer Wiederaufnahme größerer Terror-Aktivitäten kaum noch in der Lage wäre.

Nach Schätzungen der Ermittler verfügt die Organisation höchstens über 50 Terroristen im Untergrund, so wenig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Ihre Anführer sind unerfahren, weil die Chefs in den vergangenen Jahren serienweise verhaftet wurden und ersetzt werden mussten. Mehr als 700 Eta-Terroristen sitzen in Spanien und Frankreich in Haft. Zuletzt ging selbst das Umfeld der Eta auf Distanz zu den Terroristen. Den Sympathisanten wurde klar, dass die Organisation mit ihrem Terror zu einem Hemmschuh im Kampf um einen unabhängigen Staat im Baskenland geworden ist.

„Euskadi Ta Askatasuna“ (Baskenland und Freiheit, Eta) war aus dem Widerstand gegen die Franco-Diktatur (1939-1975) in Spanien hervorgegangen. Die Organisation verübte 1968 ihr erstes Mordattentat. Ihre spektakulärste Aktion war 1973 die Ermordung des spanischen Ministerpräsidenten Luis Carrero Blanco.

"Wir haben jetzt eine Demokratie ohne Terrorismus“

Die Eta setzte den bewaffneten Kampf auch nach dem Ende der Diktatur fort. Sie tötete bei ihren Anschlägen insgesamt mehr als 830 Menschen und errichtete im Baskenland ein „Regime des Terrors“. Unternehmer wurden erpresst und zur Zahlung von „Revolutionssteuern“ gezwungen; Kommunalpolitiker mussten sich auf Schritt und Tritt von Leibwächtern schützen lassen; Polizisten und Militärs schauten vor jeder Fahrt unter ihren Autos, ob dort keine Bombe versteckt war.

Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero ist zuversichtlich, dass die Ankündigung der Eta nun das Ende des Terrors bedeutet. „Wir haben jetzt eine Demokratie ohne Terrorismus“, sagte der sozialistische Regierungschef, der nach den Wahlen am 20. November aus dem Amt scheiden wird. Auch der konservative Oppositionsführer Mariano Rajoy sprach von einer „guten Nachricht“. Er vollzog damit eine überraschende Kehrtwende und ging auf Distanz zu den Skeptikern in seiner Partei, die eine Auflösung der Eta verlangen.

Zu diesen Hardlinern gehört Esperanza Aguirre. Die einflussreiche Regierungschefin der Region Madrid betonte: „Die Eta gibt ihre Waffen nicht ab und löst sich nicht auf. Für mich ist die Glaubwürdigkeit des Kommuniqués gleich null.“ Auch den Angehörigen von Opfern des Terrors geht die Eta-Ankündigung nicht weit genug. Der Polizist Josu Puelles, dessen Bruder 2009 von der Eta getötet worden war, sagte der Zeitung „El País“: „Die Terroristen sollten sich stellen, damit sie von den Gerichten zur Rechenschaft gezogen werden können.“