Gewaltsame Übergriffe

Syrisches Regime lässt Schüler festnehmen

Mehr als 2700 Menschen sind seit dem Beginn der Proteste in Syrien von Sicherheitskräften getötet worden. Kein Ort ist mehr sicher - auch Schulen nicht. Dutzende Schüler seien nach Angaben von Demonstranten im Süden des Landes von Sicherheitskräften festgenommen worden.

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Syrische Sicherheitskräfte haben am Mittwoch Schulen umstellt und zahlreiche Jugendliche festgenommen. Dutzende Schüler seien in dem Dorf Dschassem im Süden des Landes in Gewahrsam genommen worden, teilten die Örtlichen Koordinationskomitees mit, die die Proteste gegen Präsident Baschar Assad dokumentieren.

Seit vergangenem Sonntag waren immer wieder Schüler gegen die Regierung auf die Straße gegangen. In der Stadt Homs und der nahegelegenen Ortschaft Rastan töteten Sicherheitskräfte nach Angaben der in London ansässigen Menschenrechtsorganisation Syrian Observatory for Human Rights mindestens vier Zivilpersonen.

Aus Protest gegen die gewaltsamen Übergriffe der Armee auf Zivilisten sollen in Syrien erneut Soldaten desertiert sein. Vertreter der Protestbewegung teilten am Mittwoch mit, die Soldaten hätten in der Ortschaft Telbisa unweit der Stadt Homs die Flucht ergriffen. Einige von ihnen seien anschließend von den Sicherheitskräften getötet worden.

Vor allem Mitglieder der sunnitischen Minderheit laufen dem Heer davon. Die Führung des Landes und auch der Armee besteht überwiegend aus Alawiten.

Aus Homs wurden auch am Mittwoch wieder Angriffe der Regierungstruppen gemeldet. Landesweit sollen sechs Zivilisten getötet worden sein. Eine Familie aus der Ortschaft Dschabal al-Sawija in der Provinz Idlib wurde nach Angaben der Organisation Syrische Menschenrechtsbeobachter aufgefordert, die Leiche ihres Mitte September festgenommenen Sohnes in einem Gefängnis abzuholen. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben war wegen der Medienblockade durch die Regierung nicht möglich.

Die felsige Region Dschabal al-Sawija nahe der türkischen Grenze ist seit Wochen wesentlicher Schauplatz der Militäroffensive gegen die pro-demokratischen Proteste. Dort halten sich zahlreiche Überläufer in kleinen Dörfern vor den Truppen der Regierung versteckt. Rami Abdelrahman, Chef des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte in England, sagte: „Dschabal al-Sawija ist zu einem Zentrum für Armee-Deserteure geworden. Zahlreiche Augenzeugen berichteten uns von Überläufern und Dorfeinwohnern, die in Gruppen exekutiert wurden.“

Seit Beginn der Proteste in Syrien vor sechs Monaten wurden nach UN-Angaben rund 2700 Menschen getötet, darunter mindestens 100 Kinder. Westliche Diplomaten berichten von einer steigenden Zahl an Dissidenten und Protestführern, die in den vergangenen Wochen getötet wurden. Zehntausende seien inhaftiert, darunter insbesondere kritische Akademiker.