Befreiungsschlag

Jemenitische Demonstranten erobern Militärbasis

Im Jemen haben tausende Oppositionsanhänger unterstützt von abtrünnigen Militärs eine Basis der Republikanischen Garden von Präsident Ali Abdullah Salih gestürmt. Die Gardisten seien geflüchtet und hätten ihre Waffen zurückgelassen.

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Nach Angaben von Ärzten sind bei neuen Kämpfen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen erneut mehrere Menschen getötet worden.

Video: Reuters
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Tausende Demonstranten haben in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa einen Stützpunkt der Regierungstruppen eingenommen. Wie Augenzeugen berichteten, fiel bei dem Vorstoß am Montag kein einziger Schuss. Die in dem Militärlager stationierten Soldaten der Republikanischen Garden seien geflüchtet und hätten ihre Waffen zurückgelassen. Den Angaben zufolge hatten sich auch übergelaufene Angehörige der Sicherheitskräfte den Demonstranten angeschlossen.

Der außer Landes geflohene Präsident Ali Abdullah Saleh gerät damit weiter unter Druck. Bei wieder aufgeflammten Auseinandersetzungen zwischen Regierungssoldaten und Oppositionsanhängern sind seit Sonntagnacht mindestens 50 Menschen getötet und bis zu 1.000 weitere verletzt worden.

Am Montag hatten Sicherheitskräfte erneut Dutzende Oppositionsanhänger bei Kundgebungen gegen Präsident Salih erschossen . Nachdem schon am Vortag in dem bitterarmen arabischen Land 26 Demonstranten ums Leben kamen, töteten bewaffnete Brigaden am Montag weitere 32 Regimegegner. Allein in der Hauptstadt Sanaa seien 24 Menschen, unter ihnen ein Kind, gestorben, berichteten Ärzte und Helfer eines improvisierten Lazaretts.

In der südlichen Stadt Taiz starben vier Demonstranten, als die Sicherheitskräfte mit Tränengas und scharfer Munition in eine Anti-Salih-Kundgebung schossen, bestätigten Krankenhausärzte. Die Bundesregierung verurteilte die jüngste Eskalation der Gewalt im Jemen. Das repressive Vorgehen der Sicherheitskräfte provoziere eine Verschärfung der Lage, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin.

Augenzeugen berichteten in der Hauptstadt Sanaa, Gegner des Präsidenten hätten in der Nacht zum Montag ihre Zeltstadt auf dem „Platz des Wandels“ (Taghier-Platz) vergrößert. Sicherheitskräfte hätten dann am Montag die neuen Zeltbewohner mit Waffengewalt vertrieben. Wie schon am Vortag schossen auch Scharfschützen von Hausdächern in die Menschenmenge.

Am Sonntag hatten Mitglieder der Präsidentengarde nach Angaben der Protestbewegung 26 Demonstranten erschossen. Die jüngsten Ereignisse markieren die blutigste Unterdrückung von Protestkundgebungen seit Monaten. Zehntausende Menschen hatten in Sanaa den Rücktritt Salihs gefordert. Seit Beginn der Proteste im Februar dieses Jahres kamen nach Angaben von Menschenrechtlern rund 450 Menschen durch die Gewalt des Regimes ums Leben.

Der seit 1978 regierende Staatschef lässt sich seit einem Bombenanschlag im Juni, bei dem er schwer verletzt wurde, in Saudi-Arabien behandeln. Seit Mai weigert sich der 69-Jährige beharrlich, einen Plan des Golf-Kooperationsrates (GCC) für eine geordnete Übergabe der Macht zu akzeptieren. Die Protestbewegung fordert kategorisch seinen Rücktritt. Außerdem will sie Salih und mehrere hochrangige Funktionäre vor Gericht stellen.