Kremlgegner

Propagandafilm zeigt Chodorkowski als "Serienmörder"

Der Film "Chodorkowski. Leichen" erhebt schreckliche Vorwürfe. Kommentatoren sehen darin ein Indiz für einen dritten Prozess.

Der inhaftierte Kremlgegner und frühere Ölmanager Michail Chodorkowski wird in einem neuen russischen Propagandafilm erstmals ausschließlich als „Serienmörder“ dargestellt. Der etwa 50 Minuten lange Streifen „Chodorkowski. Leichen.“ des Agitators Andrej Karaulow ist zunächst nur im Internet auf der Seite pravda.ru zu sehen.

Moskauer Kommentatoren sahen darin ein Indiz dafür, dass es zu einem dritten politisch inszenierten Verfahren gegen den Ex-Chef des inzwischen zerschlagenen Öl-Konzerns Yukos kommen könnte. Zuletzt hatte auch Regierungschef Wladimir Putin dem Jukos-Management die Verstrickung in Morde vorgeworfen

Chodorkowski ist laut Film "Serienmörder" – keine Beweise

In Moskau halten sich seit Monaten Vermutungen, dass Putins schärfstem Gegner noch ein Prozess gemacht werden könnte.

In Karaulows Film kommen Augenzeugen zu Wort, die Angehörige durch Auftragsmorde verloren haben. Chodorkowski, der einst der reichste Mann Russlands war, wird direkt als „Auftrags- und Serienmörder“ bezeichnet.

Echte Beweise gibt es aber nicht. Bisher wurde der seit 2003 Inhaftierte in zwei Verfahren unter anderem wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung verurteilt. Er könnte 2017 freikommen.

Medien bezeichneten Karaulows Film als ein Auftragswerk der politischen Führung in Moskau. Karaulow betonte hingegen, er habe den Film auf eigene Kosten gemacht, weil ihn die westliche Darstellung Chodorkowskis als Opfer politischer Intrigen betroffen mache.

Informationskrieg von Freunden und Feinden Chodorkowskis

Auch die Bundesregierung hatte sich immer wieder für eine Freilassung des Kremlkritikers eingesetzt. Seit dem international kritisierten zweiten Urteil gegen Chodorkowski im Dezember liefern sich Freunde und Feinde des berühmtesten Häftling Russlands einen Informationskrieg mit Büchern und offenen Briefen.

Chodorkowskis Anwälte bezeichneten den Film als „Beweis für die professionelle Impotenz des Autors“. Chodorkowski selbst bezahlt in vielen Ländern PR-Strategen, die über seine Projekte, politischen Ideen und sein Schicksal informieren.

Viele Russen halten Chodorkowski, der in den 1990er Jahren über Nacht zu unvorstellbarem Reichtum gekommen war, nicht für unschuldig. Der Ex-Manager und sein früherer Geschäftspartner Platon Lebedew waren Ende Dezember wegen Unterschlagung von 218 Millionen Tonnen Öl zu einer Gesamtstrafe von jeweils 14 Jahren Haft verurteilt worden.