Vorwahlkampf

Bachmanns göttlicher Witz und beleidigte Konservative

Michele Bachmann ist die neue Sarah Palin – nur weniger gereizt und eitel. Ihren Scherz über Hurrikan "Irene" fanden nur wenige Anhänger lustig.

Foto: AFP

Man darf und muss Michele Bachmann (55), der Kongressabgeordneten aus Minnesota und republikanischen Präsidentschaftskandidatin, eine Menge zutrauen: Sie entzückt die evangelikale Rechte Amerikas mit ihrem Kampf gegen Steuern, Schwule, den "Betrug" der Erderwärmung, den "fettleibigen Staat" und einen amerikanischen Präsidenten mit "antiamerikanischen Ansichten" namens Barack Hussein Obama .

Sie erfreut ihre Verächter, wenn sie Elvis an dessen Todestag jubelnd zum Geburtstag gratuliert und die heiligen Unabhängigkeits-Schlachten von Lexington und Concorde verwechselt, Schulkindwissen in Amerika. Das alles ist unterhaltsam. Doch durch einen ausgeprägten Sinn für Humor und Stand-up-Comedy ist Michelle Bachmann bisher nicht aufgefallen.

Dies soll sich seit vergangenem Sonntag geändert haben . Es war das denkwürdige Wochenende, an dem der Hurrikan „Irene“ die amerikanische Ostküste bedrohte ; Florida hatte es schon hinter sich, als Bachmann in Sarasota vor rund 1000 Anhängern einen göttlichen Scherz zum Besten gab: „Ich weiß nicht, wie viel Gott (noch) tun soll, um die Aufmerksamkeit der Politiker zu erregen. Wir hatten ein Erdbeben, wir hatten einen Hurrikan. Und er sprach: 'Beginnt ihr mir endlich zuzuhören?'“

Nicht jeder war sicher, wie lustig die Sache war

Das Publikum soll, laut einem Bericht der „St. Petersburg Times“, nach der Pointe geschmunzelt haben. Nicht jeder Hörer war sicher, wie lustig die Sache war.

Es meldeten sich in den Stunden nach Bachmanns Auftritt fromme Bürger, die den Namen des Herrn für dumme Witze missbraucht fanden.

Es ärgerten sich andere, die es für geschmacklos hielten, über einen Hurrikan zu scherzen, der mehr als 30 Menschen das Leben gekostet hatte .

Alice Stewart, eine Sprecherin Bachmanns, benötigte einige Stunden, um zu erklären, dass ihre Chefin zu scherzen beliebt habe.

Konspirative Hexenjagd auf Bachmann

Michelle Bachmanns Anhänger hingegen sehen sich abermals in ihrer Überzeugung bestätigt, dass Medien und Linksliberale eine konspirative Hexenjagd auf die Abgeordnete abhalten. Sie sehen Bachmann, die mit ihrem Mann Marcus fünf eigene Kinder hat und für 23 Mädchen als Adoptiveltern auftrat, als gottgefällige Politikerin, die ehrlich für die Interessen des kleinen Mannes gegen das korrupte Washington auftritt.

Bachmanns Problem ist, dass es keine neutrale Wählergruppe zwischen ihren Verehrern und ihren Verächtern zu geben scheint. Amerikas Wahlen zur Präsidentschaft werden in der Mitte entschieden, nicht an den extremen Rändern des politischen Spektrums. Michelle Bachmann muss noch sehr viel witziger werden, um die Mitte zu erobern.

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