US-Präsidentschaftskandidatur

Sarah Palin – "Ich überlege noch"

Der Kampf ums Weiße Haus hat begonnen. Bei einer wichtigen Probeabstimmung in Iowa zeichnet sich ein erstes Stimmungsbild ab. Sarah Palin zögert noch mit ihrer Bewerbung.

Foto: REUTERS

Bei einer wichtigen Probeabstimmung der Republikaner über den Präsidentschaftskandidaten für 2012 zeichnet sich ein Sieg für den libertären Kongressabgeordneten Ron Paul ab. Bei einer nicht-repräsentativen Umfrage von Morgenpost Online unter rund 200 Wählern kurz nach Öffnung des Wahllokals bei der Straw Poll in Ames in Iowa führte der Texaner mit fast 30 Prozent das Bewerberfeld an.

Die unverbindliche Testbefragung, eine sogenannte Straw Poll, wird in Ames im Bundesstaat Iowa durchgeführt. Sie fand erstmals 1979 statt und gilt als wichtiger Stimmungsmesser für das Seelenleben der Republikaner, die im nächsten Jahr das Weiße Haus in Washington zurückerobern wollen.

In der Befragung der Wähler beim Verlassen des Wahllokals kam die konservative Bewerberin Michele Bachmann mit rund 15 Prozent auf den zweiten Platz. Deutlich hinter der von der Tea Party unterstützten Abgeordneten aus Minnesota rangierte Tim Pawlenty mit acht Prozent.

Scharfe Auseinadersetzung mit Bewerberin Michele Bachmann

Der Ex-Gouverneur von Minnesota hatte sich in einer Fernsehdiskussion der Republikaner-Kandidaten am Donnerstag mit Bachmann eine scharfe Auseinandersetzung geliefert. Sollte sich der Trend der Befragung bestätigen und Pawlenty von Bachmann weit abgehängt werden, könnte dies das vorzeitige Ende seines Wahlkampfes bedeuten.

Auf dem vierten Platz mit gut fünf Prozent der Stimmen rangierte in der Wählerbefragung der texanische Gouverneur Rick Perry. Er hatte erst am selben Tag von Charleston in South Carolina aus offiziell seine Kandidatur verkündet und das Parteispektakel in Ames gemieden.

Perry kann mit einer entgegen dem US-Trend wachsenden Wirtschaft in Texas, steigenden Einwohnerzahlen und guten Arbeitsmarktdaten aufwarten. Aber auch in der eigenen Partei ist der evangelikale Christ umstritten, weil er am vorigen Wochenende zu einem Massenbeten einlud. Diese Attitüde eines Predigers gehört sich nach Meinung vieler Amerikaner nicht für einen amtierenden Politiker.

An der Straw Poll in Ames kann jeder volljährige Bürger des Bundesstaates teilnehmen. Die Anreise aus allen Orten Iowas nehmen aber zumeist nur Republikaner auf sich. Sie müssen sich ausweisen und benötigen ein Ticket für 30 Dollar. in der Regel wird dieses Ticket von den Kandidaten finanziert, die möglichst viele ihrer Anhänger aus Iowa mit Bussen heranzutransportieren versuchen. Paul hat von seinen Wählern allerdings eine Eigenbeteiligung von 10 Dollar verlangt.

Zwischen 15.000 und 30.000 Menschen wurden am Samstag erwartet. Wer mit dem Ticket eines Kandidaten anreist, kann an der Urne dennoch für einen anderen Bewerber stimmen. Manche Iowaner kamen an dem sonnigen Samstag nach eigener Aussage eher wegen des Volksfestcharakters der Veranstaltung rund um die State University mit Countrymusik, Showeinlagen, BBQ uxnd buntem Rahmenprogramm nach Ames.

Iowa – umkämpfter Swingstate

Iowa ist ein umkämpfter Swingstate im mittleren Westen der USA. Jeweils rund 30 Prozent der dortigen Wähler bezeichnen sich als Republikaner und als Demokraten, etwa 40 Prozent als "Unabhängige". Die Republikaner wiederum sind in dem ländliche geprägten Bundesstaat konservativ.

Darum gilt Ames besonders für konservative Bewerber wie Paul, Bachmann und Pawlenty sowie der Ex-Senator von Pensylvania, Rick Santorum, als wichtige Plattform für die weitere Kampagne.

Liberalere Kandidaten wie Mitt Romney und Jon Huntsman müssen sich eher in späteren Abstimmungen wie in New Hampshire beweisen. Romney, ehemals Gouverneur von Massachusetts, gilt bislang als Favorit im republikanischen Bewerberfeld.

Wegen seiner einst liberalen Politik und einer Gesundheitsreform, die dem Modell von Präsident Barack Obama ähnelt und von Pawlenty als "Obamneycare" verspottet wurde, gilt er den derzeit tonangebenden Parteikonservativen aber als unzuverlässiger Wendehals. Huntsman muss sich immer wieder dafuer rechtfertigen, dass er sich von Obama als Botschafter nach China schicken liess.

Der mögliche Sieger von Ames, Ron Paul, wird in wenigen Tagen 77 Jahre alt. 1988 trat er bereits für die Libertäre Partei als Kandidat an. 2008 nahm er an den Primaries der Republikaner teil. Der Arzt blieb zwar chancenlos, zeigte aber großes Geschick beim Organisieren einer internen Graswurzelbewegung unter seinen Anhängern.

Paul würde umgehend alle US-Truppen abziehen

Paul ist ein kompromissloser Gegner von "big government" und jeder Steuererhöhung und befürwortet massive Etatkürzungen. Als Präsident wolle er umgehend alle US-Truppen abziehen, aus Afghanistan und dem Irak ebenso wie aus Deutschland, Asien und dem Nahen Osten.

Am Vortag der Straw Poll tauchte Sarah Palin in Ames auf. Die Ex-Gouverneurin von Alaska und Vizepräsidentschaftdkandidatin des Jahres 2008 genoss das Bad in der Mange. Auf die Frage von Morgenpost Online, ob sie für das kommende Jahr eine Bewerbung fürs Weiße Haus weiterhin ins Auge fasse, sagte Palin: "Ich überlege noch."