Libyen

Gaddafi kommandiert weiter seine Kampf-Truppen

Der Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi ist zwar auf der Flucht – doch die Nato ist überzeugt: Er bestimmt weiterhin den Einsatz von Waffen und Raketen.

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Der abgetauchte libysche Diktator Muammar al-Gaddafi hat nach Einschätzung der Nato weiter die Kontrolle über seine Truppen. „Er hat die Fähigkeit, eine bestimmte Art von Kommando und Kontrolle auszuüben“, sagte der Sprecher des Nato-Lufteinsatzes in Libyen.

Es sei Gaddafi auch nach seinem Verschwinden möglich, die Bewegungen von ihm treu ergebenen Truppen und den Einsatz ihrer Waffen und Raketen zu bestimmen. Über den Aufenthaltsort des Flüchtigen sei aber nichts bekannt, ergänzte er.

Gegend um Gaddafis Heimatstadt Sirte bombardiert

Die Nato fliegt seit Ende März auf Grundlage von UN-Resolutionen Luftangriffe in Libyen, um die Zivilbevölkerung vor Gewalt der Regierungstruppen zu schützen. Wie das Bündnis mitteilte, wurden die Gegend rund um Gaddafis Heimatstadt Sirte und die südöstlich von Tripolis gelegene Stadt Bani Walid bombardiert.

Beide Orte gelten als möglicher Zufluchtsort Gaddafis. Bei den Angriffen wurden unter anderem 22 mit Waffen ausgestattete Fahrzeuge und vier Radarstationen zerstört. Aber die Nato rechnet mit einem baldigen Ende: „Es sieht so aus, als seien wir fast so weit, aber wir sind noch nicht ganz da.“

Ultimatum – Zeit bis Samstag

Die Aufständischen haben den noch in der Hand von Gaddafi-Anhängern verbliebenen Städten ein Ultimatum gestell t. Die Ortschaften hätten bis Samstag Zeit, sich freiwillig zu ergeben, sagte der Präsident des Nationalen Übergangsrats der Rebellen, Mustafa Abdel Dschalil. Ansonsten würden die Truppen der Aufständischen die Städte angreifen.

Empört ist die Übergangsregierung über das Verhalten Algeriens. Das Nachbarland hatte Gaddafis Frau, seine hochschwangere Tochter, die heute ein Kind zur Welt brachte , und zwei Söhne aufgenommen. Das sei ein „aggressiver Akt gegen den Willen des libyschen Volkes“, sagte der Informationsminister des Übergangsrates.

„Wir sind entschlossen, die gesamte Gaddafi-Familie, einschließlich Gaddafi selbst, zu verhaften und vor Gericht zu stellen.“ Er forderte die Auslieferung. In der Vergangenheit hatten die Rebellen Algerien immer wieder beschuldigt, Gaddafi mit Söldnern zu versorgen.

Tripolis droht ein dramatischer Trinkwassermangel

Die Lage in der Hauptstadt Tripolis bessert sich nur langsam. Das Welternährungsprogramm, eine UN-Organisation, hat erstmals Bürger und Flüchtlinge mit Lebensmitteln beliefert. Dabei wurden etwa 600 Tonnen Grundnahrungsmittel, darunter Mehl, Nudeln und Speiseöl, von Mitarbeitern des Roten Halbmonds an 35.000 Menschen verteilt.

Damit könnten die Notleidenden einen Monat lang auskommen, teilte ein UN-Sprecher mit. Außerdem sollen in den kommenden Tagen 500.000 Liter Trinkwasser geliefert werden. Nach UN-Angaben droht Tripolis ein dramatischer Trinkwassermangel. Vier Millionen Menschen sind von der Versorgung abgeschnitten, weil Gaddafi-Truppen die wichtigsten Leitungen zerstört haben.