Italien

Berlusconi will es 2013 doch wieder wissen

Der 74-jährige Silvio Berlusconi will bei den Parlamentswahlen in zwei Jahren doch wieder für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren. Wenige Tage zuvor wollte der "Cavaliere" noch das "Scheißland" Italien verlassen.

Silvio Berlusconi (74) wird nach Angaben seiner Partei bei den nächsten Parlamentswahlen 2013 wieder Kandidat für das Amt des italienischen Ministerpräsidenten sein. „Die Regierungskoalition lebt von seiner Führung“, sagte Parteichef Angelino Alfano am Sonnabend auf einer Parteiveranstaltung in Kampanien.

Berlusconi sei genau der Mann, „der in der Lage gewesen ist, Zusammenhalt, Einheit und Führung zu garantieren“. Seine Partei PdL brauche auch keine Vorwahlen, um zu wissen, dass Berlusconi der Lenker sei.

Der umstrittene, in Skandale und Prozesse verwickelte Berlusconi hatte Anfang Juli in einem Interview erklärt, 2013 nicht mehr antreten zu wollen. Vielmehr wolle er Alfano, der früher sein Justizminister war, in dieses Amt verhelfen.

Politische Beobachter gingen damals davon aus, dass dies noch nicht das letzte Wort des „Cavaliere“ gewesen sein könnte. Zudem stellt sich die Frage, ob die Mitte-Rechts-Regierung aus Berlusconis PdL und der Lega Nord Umberto Bossis die Wirtschaftskrise Italiens bis dahin übersteht.

Damit relativiert sich auch Berlusconis Aussage, er wolle das "Scheißland" Italien verlassen. Das sei eines dieser Dinge, die man am späten Abend mit einem Lächeln sage und nicht ernst meine, zitierten italienische Medien den Regierungschef, nachdem er mit seinen Worten in Italien für einen Sturm der Empörung gesorgt hatte. "Ich werde bleiben, um dieses Land zu verändern", fügte Berlusconi hinzu.

Am Donnerstag waren Aussagen Berlusconis aus einem abgehörten Telefonat mit dem Herausgeber der Zeitung "Avanti", Valter Lavitola, bekannt geworden. Gegen diesen ermittelt die italienische Justiz. In dem Gespräch soll er sein Land mehrfach verunglimpft haben.

"In einigen Monaten gehe ich weg, verlasse ich dieses Scheißland, das mich anekelt, Punkt und Schluss", zitieren etliche italienische Zeitungen am Freitag aus den Abhörprotokollen.

Berlusconi, der sich seit langem von linken Richtern und Staatsanwälten verfolgt fühlt, führte dieses Gespräch am 13. Juli kurz nach 23 Uhr. "Ich bin so transparent, so sauber in meinen Angelegenheiten (...) Die können sagen, dass ich rumbumse, das ist auch das Einzige, was sie von mir sagen können (...) Sie spionieren mich aus", wird Berlusconi zitiert.

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